Paris Hilton posierte bereits im edlen Goldbrokatdirndl aus München. Wurde das Kleidungsstück vor ein paar Jahren noch als altmodisch belächelt, ist das Traditionsgewand mittlerweile von modebewussten jungen Mädchen wiederentdeckt worden. Wenn sie sich zum ausgiebigen Dirndl-Shoppen treffen, wollen sie die volle Montur – vom Kleid über Schürze und Bluse bis hin zu Kropfband, Tuch und Miedergeschnür. Gar von einem „Dirndlhype“ spricht Nicole Krajewski, Einkäuferin beim renommierten Trachtenausstatter Angermaier in München.
Selbst die Männer machen mit – und zeigen ebenfalls Mut zur Farbe. Eine grellgrüne Samtjacke zur Lederhose ist in dieser Saison nichts Ungewöhnliches. Farbe ist der Trendgeber in diesem Herbst: „Ein Dirndl soll fröhlich und frech aussehen“, begründet das Designerin Angelika Zwerenz. Mit ihrer Marke „Dirndlpunk“ steht sie für ausgefallenere Stücke: Da gibt es hellblaue Korsagen mit gelben, grünen und weißen Blumen, knallrote Leder-Zweiteiler oder Teile mit künstlichen Vögeln am Ausschnitt.
Der klassische Dirndl-Schnitt – Mieder, Rock und Schürze – ist dabei oft nur noch zu erahnen. Mit Vorliebe kombiniert die Designerin figurbetonte Oberteile mit Spitzenröcken, eng anliegenden Lederhosen oder gar Hotpants.
Auch folkloristische Elemente aus anderen Ländern lässt sie einfließen – zum Beispiel, wenn sie chinesische Seide mit eingewebten Schmetterlingen verwendet oder farbenfrohe Blumenmuster aus Ungarn aufgreift.
Modern werden viele Trachtenkleider durch den Farb- und Materialmix, wie ihn etwa die Designerin Lola Paltinger verwendet. „Lollipop und Alpenrock“ nennt sie ihre Kreationen. Sie kombiniert Lila mit Oliv, Türkis mit Schwarz, Silber mit Pink. Dazu kommen transparente Blusen und Schürzen aus Organza oder Spitzentüll, mal einfarbig, mal mit Blüten und Ornamenten durchwirkt. Paltinger sieht den Trend wieder in der klassischen Ecke – dort sei der Zeitgeist aber noch nicht angekommen: „Die Leute wollen beim Dirndl sehr gerne Farbe haben und auffallen.“
Andere stellen das Althergebrachte in dieser Saison in ihren Kollektionen in den Vordergrund. „Jetzt kommen gerade die traditionellen Formen und Schnitte wieder – nur eben zeitgemäß umgesetzt“, sagt Gabriele Hammerschick, Einkäuferin für Damenmode bei Loden-Frey in München. „Es soll halt nicht so zopfig wirken, sondern frisch und modern.“ Immer beliebter würden deshalb Dirndl mit Petticoats, deren Spitze frech unterm Rock hervorlugt. Große Ausstatter gehen daher in den Spagat und zeigen neben bunten Bonbonkleidern mit Gold und Pailletten klassische Dirndl.
Auffällig ist aber bei allen, dass die bis vor einiger Zeit noch sehr kurzen Röcke wieder nach unten wandern: „Mini-Dirndl sind so was von mega-out“, sagt Hammerschick. Stattdessen propagieren die Designer die knieumspielende Länge.