Während im vergangenen Jahr noch die Hochwasserfluten der nahen Schwarzen Elster für eine Flaute im Festzelt gesorgt hatten, überflutete diesmal das Bilderbuchwetter das Festgelände mit Besucherwellen. "Wir haben voriges Jahr so viele Sandsäcke geschippt, da haben wir uns jetzt das Wetter wirklich verdient", ist sich die Frau im Organisations-Hintergrund, Michaela Winter (49) aus Uebigau, sicher. Dabei zeigt sich immer mehr ein Trend: Sowohl die offizielle Seite, wie die Stadt Uebigau-Wahrenbrück mit ihrer Partnergemeinde Wadern, als auch längst in der Fremde verwurzelte ehemalige Elbe-Elster Ur-Einwohner bringen Gäste aus ganz Deutschland mit nach München an die Elster.

Marie-Luise Heyn (23) aus Falkenberg zum Beispiel hat ihre Freundin Carolin Krüger (24) aus Leipzig mit nach München geschleppt, wo beide Mädchen sofort einen Preis beim Dirndlwettbewerb gewannen. Alexandra Schneider aus Beilrode hatte neben zwei Bekannten aus ihrem Heimatort zusätzlich Carla Wilhelm aus Stuttgart im Schlepp. Die Stimmung im Elbe-Elster-München sei derzeit vergleichbar, so Carla Wilhelm, mit den Aktivitäten auf dem Hauptbahnhof der schwäbischen Metropole, aber herzlicher und damit schöner als beim Original an der Isar.

Mathias Lehmann (30) aus Uebigau hatte Freunde aus Halle und aus Dresden dabei. Nur an seinem schwarz-roten Jägermeister-Outfit müsste er noch arbeiten. Die schöne Sächsin an seiner Seite hatte sich bereits in die passende Hülle geworfen.

Nicht nur für die Getränke stürzen sich die Gäste in Unkosten, immer mehr erscheinen in standesgemäßem Dirndl oder in Lederhose. Selbst Edelweiß und Rosenkranz auf üppigem Dekolletee oder typisch bayerische Frisuren durften nicht fehlen. "Vor allem am Freitag beim Fassbieranstich waren da ganz tolle Sachen zu sehen. Wer da nicht in zum Oktoberfest passenden Trachten kommt, fällt schon auf", hat Michaela Winter beobachtet.

Beim Dirndl-Wettbewerb am Freitagabend waren die Juroren schlichtweg überfordert, als sich ihnen eine Mauer aus farbenprächtig mit Recht nach Preisen trachtenden Frauen aller Altersstufen entgegenstellte. Während sich einige beim Besuch in Bayern oder beim Transit durch den Freistaat standesgemäß für das Oktoberfest auf der Elsterwiese einkleiden, greifen andere auf Katalog und Internet zurück. So auch Nicole Hirche (24) und Franziska Zschech aus Hirschfeld, beide haben ihr Dirndl im Internet bestellt. "Wir würden gern mal bei uns eine Dirndl- oder eine Trachtenmodenschau veranstalten, doch bisher hat sich noch kein Anbieter gefunden", lässt Michaela Winter durchblicken. Vergleichbare Mode sei in der Nähe derzeit nur in Wittenberg oder Leipzig zu finden. Auch die traditionelle Schneiderin vor Ort sei eine Variante.

Dass ein Dirndl nicht immer einzigartig sein muss, bewiesen die Mädchen vom Musikverein aus der Uebigau-Wahrenbrücker Partnerstadt Wadern. Gemeinsam wurde in Weiß, Grün und Blau auf den Tischen getanzt. Den Tanz, ebenfalls in Weiß und Blau, hatten dagegen die Männer vom HC Bad Liebenwerda bei ihrem Erscheinen in Mannschaftsstärke auf dem Oktoberfest schon hinter sich. Hier wurden dann nur noch die 31:25-Treffer gegen Grünheide ausgelassen gefeiert, wenn auch in "zivil".

Sofort im Dirndl und nur kurze Zeit später mit einem von einem Verehrer entnommenen bayrischen Hut präsentierte sich die Königin von Mallorca. Miriam Hundertmark verwandelte in der Nacht zum Sonntag sogar mit Klassikern wie "Sweet Home Alabama", "Schön ist es auf der Welt zu sein" oder "3,2,1, du bist meins", die beiden aneinandergereihten Festzelte mit mehreren tausend, meist jugendlichen Gästen in einen brodelnden Hexenkessel.

Der in den Vorjahren ebenfalls brodelnde Hexenkessel auf den Parkplätzen blieb in diesem Jahr erstmals nachhaltig aus. Das lag an dem nach Fahrplan verkehrenden Bus-Shuttle zwischen München (EE) und Orten wie Falkenberg, Drasdo, Langennaundorf oder Bahnsdorf. "Neben dem Wetter haben wir eben in jedem Jahr ein paar Verbesserungen parat", sagt Organisator Matthias Winter. Gleichzeitig halfen die auf diese Art frei gewordenen Pkw-Fahrer bei der Beseitigung der 31 Fass Münchner Hofbräu.