"Die Leute im Dorf stellen nach der Abholung der Mülltonnen ihre Uhren", sagt der ehemalige Schlosser im Kraftwerk Lübbenau mit einem Schmunzeln. Pünktlichkeit ist für den Experten der Sonderfahrten oberstes Gesetz. Seit acht Jahren ist Dieter Adler der "Entsorger" für Müll und Sekundärrohstoffe im Lübbenauer Ortsteil. Ein Vertrag mit einem Cottbuser Unternehmen hat dies ermöglicht.

Da der Großteil der Gehöfte, Gaststätten, Pensionen, Häuser und Ferienobjekte im 150-Seelen-Dorf Lehde nur über den Wasserweg erreichbar ist, bot sich nur die Entsorgung mit einem Wasserfahrzeug an.

So holt Dieter Adler alle 14 Tage die Mülltonnen und die gelben Säcke für die Plasteabfälle und weitere Sekundärrohstoffe ab. Einmal im Monat erfolgt die Abholung der blaufarbigen Tonnen mit Papier und Pappe. "Es muss alles sehr penibel koordiniert werden, damit keine Zeitverzögerung entsteht", schätzt der Kahnfahrer ein, der seit 1973 auch als Fährmann im Sommer bei der Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft arbeitet.

Etwa 16 Kilometer hat Dieter Adler bei einer einzigen Tagestour auf den Gräben, Fließen und Kanälen von Lehde zurückzulegen. Erst sind die gefüllten Mülltonnen mit dem Kahn zur Entladestation "Schneidemühle" zu bringen. Dann erfolgt eine erneute Runde durch das weitverzweigte Fließsystem, um die nun leeren Mülltonnen wieder beim Besitzer zu platzieren.

Unwetter, Sturm oder Eisgang muss Dieter Adler bei seinen "Mülltouren" einplanen. "Bei diesem Eisgang bin ich jetzt von 7.30 bis 15.30 Uhr in Lehde unterwegs", sagt der "Kapitän" des Müllkahnes vor einigen Tagen, als die Fließe noch zugefroren waren. Mit seinem Wasserfahrzeug kann sich Dieter Adler zwischen die riesigen Eisberge und mehrere Quadratmeter großen Eisschollen wagen. Sein Aluminiumkahn ist robust gebaut und besitzt einen doppelten Boden. "Ein hölzerner Spreewaldkahn würde bei diesen extremen Bedingungen sicherlich Schaden nehmen", ist sich Adler sicher.

Die Touristen und Besucher des Spreewaldes sind immer wieder erstaunt, in den Wintermonaten einen "Müllkahn" im Spreewald zu sehen. Die Lehdschen kennen den Anblick von einem Müllkahn, Postkahn, Feuerwehrkahn und Rettungskahn. In einem Dorf, das mehr Fließe, Gräben und Kanäle, als Straßen und Gassen besitzt, ist so etwas alltäglich.