Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die Umbaupläne für einen großen Teil der manipulierten VW-Dieselautos abgesegnet. Rund 8,2 Millionen Wagen mit 1,6- und 2,0-Liter-Motoren können ab Anfang kommenden Jahres in der Werkstatt so eingestellt werden, dass sie die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide einhalten sollen, teilte Volkswagen in Wolfsburg mit.

Der Konzern habe das Ziel, dass Autofahrer dabei keinen höheren Verbrauch und keine geringere Motorleistung hinnehmen müssen, hieß es. Versprechen kann VW das aber nicht. Auch zu den Kosten für den Rückruf könne man noch nichts sagen.

Bei den größeren 2,0-Liter-Motoren soll ein etwa halbstündiges Software-Update ausreichen. Bei den kleineren 1,6-Liter-Motoren werde zusätzlich ein Strömungstransformator eingebaut. Dieses Teil soll dafür sorgen, dass Luft besser angesaugt und Treibstoff effizienter verbrannt werden kann, erklärte VW-Sprecher Hans-Gerd Bode. So sollen auch Abgaswerte entsprechend den Emissionsnormen verbessert werden.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich technisch viel getan, deshalb sei eine solche Lösung heute möglich. Eine Lösung für die kleinen 1,2-Liter-Motoren soll in Kürze vorliegen.

Dass die Manipulationen bei den Abgaswerten durch eine einfache und vermutlich relativ kostengünstige Lösung verhindert werden könne, habe in der Vergangenheit niemand wissen können, sagte ein Sprecher. So gesehen sei der Skandal, der VW Mitte September in eine tiefe Krise stürzte, umso tragischer. "Aber wir können es leider nicht rückgängig machen", sagte Bode.

Die Überarbeitungspläne beziehen sich allerdings nicht auf in den USA oder in Kanada verkaufte Modelle aus dem VW-Konzern. Die kalifornische Umweltbehörde Carb teilte jetzt mit, Volkswagen, Audi und Porsche eine Frist von 45 Geschäftstagen gesetzt zu haben, um einen Rückrufplan für die betroffenen Fahrzeuge mit 3,0-Liter-Dieselmotoren einzureichen.

Die US-Umweltbehörde EPA erklärte, die Rückruf-Order beschränke sich formal zunächst auf Kalifornien. Bislang habe VW in dem Fall noch keine Pläne zur Beseitigung der Manipulationen unterbreitet, sagte eine EPA-Sprecherin.

Der VW-Konzern hatte eingeräumt, den US-Behörden seit 2009 in Zulassungsverfahren insgesamt drei Programme nicht offengelegt zu haben. Eines davon wird nach geltender US-Gesetzgebung als verbotene Software zur Manipulation von Abgas-Messwerten betrachtet.

Betroffen sind mehr als 85 000 Fahrzeuge, davon rund 15 000 in Kalifornien. Zudem hat VW in den USA bei mehr als 480 000 Autos mit kleineren 2,0-Liter-Dieselmotoren getrickst.

In Europa hatte VW bei 800 000 Autos außerdem zu niedrige CO{-2}-Abgaswerte angegeben. Und auch Autos mit 3,0-Liter-Motoren sind mit einer in den USA verbotenen Software ausgestattet.

VW werde "mit jedem Kunden Kontakt aufnehmen" und den betroffenen Autobesitzern während des ab Januar geplanten Rückrufs eine kostenlose "Ersatzmobilität" anbieten, hieß es. Bei betroffenen Autos der Marken Audi, Skoda und Seat soll es ähnlich laufen wie bei den VW-Modellen.

Volkswagen hatte für den Umbau der betroffenen Motoren 6,7 Milliarden Euro zurückgelegt. Endgültige Preise für die benötigten Teile stünden noch nicht fest. Unter anderem deshalb könne der Konzern auch keine Auskunft über anfallende Kosten geben.

Insgesamt seien als Folge des Abgas-Skandals bislang acht Mitarbeiter des Unternehmens beurlaubt worden, berichtete ein Konzernsprecher. Details zu den Personen oder gar ihre Namen wollte er "aus Rücksicht und zum Schutz der Betroffenen" aber nicht nennen.

Zu den acht Beurlaubungen kommt noch die bekannteste Personalie des Skandals: der Rücktritt des früheren VW-Konzernchefs Martin Winterkorn.

Zum Thema:
Eine Übersicht der Pläne für in der EU verkaufte Wagen: EA 189/2,0 Liter (rund 5,2 Millionen betroffene Einheiten): nur Software-Update nötig. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor etwa 30 Minuten. EA 189/1,6 Liter (drei Millionen betroffene Einheiten): Software-Update und Hardware-Eingriff nötig, letzterer aber weniger umfangreich als zuvor angenommen - es reicht der Einbau eines Strömungstransformators (Gitternetz) vor dem Luftmassenmesser. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor weniger als eine Stunde. EA 189/1,2 Liter (rund 300 000 betroffene Einheiten): Vorschläge noch nicht fertig, werden dem KBA noch in dieser Woche vorgestellt. Vermutlich reicht wie beim 2,0-Liter-Motor ein Software-Update aus.