In Syrien sterben jeden Tag viele Menschen. In Indien werden Frauen missbraucht und vergewaltigt. In Afrika kämpfen Familien täglich ums Überleben. In Moskau erfrieren Obdachlose auf der Parkbank. Und bei uns? Babys werden heimlich umgebracht.

Im Streit wird mit einem Messer zugestochen. Alte Menschen werden auf der Straße von Taschendieben überfallen. Junge Leute werden von Gleichaltrigen in U-Bahnhöfen oder auf einsamen Straßen drangsaliert und geschlagen.

Die Gewalt hat zugenommen und wird sehr oft noch sogar von der Allgemeinheit entschuldigt, wie es mir kürzlich mit der Entschuldigung einer Unbeteiligten begegnete: "Die armen Jugendlichen brauchen doch Geld!"

Die letzten Tage waren jetzt voll von "Neujahrsansprachen", Verheißungen, Wahlversprechen und frommen Reden. Die "Scheinheiligkeit aller Coleur" dabei war und ist groß. Die Bibel sagt dazu ein kurzes, aber treffendes Wort: "Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder!" (Römer,8,14). Dieser Satz selbst kann auch wieder Anlaß zu scheinheiligem Gerede sein. Die Bibel will das aber nicht. Sie ist auch kein Parteiprogramm oder eine Gebrauchsanweisung zur Weltverbesserung nach dem augenblicklichen Stand der letzten Forsa-Umfrage. Geist Gottes meint eine "Triebkraft" zu einer Weltveränderung, die sich in einem Wort zusammenfassen lässt: Liebe!

Liebe zu Gott und zum Nächsten wird als das bezeichnet, was dem Willen und Geiste Gottes entspricht. Ja, und diese Liebe als Triebkraft walten zu lassen und zu üben ist nicht leicht. Da versage ich selbst immer wieder. Aber ich erfahre, wie Gottes Liebe mich danach immer wieder aufrichtet und mir hilft, Seine Liebe zu mir in Liebe und Zuwendung zu anderen Menschen umzuwandeln.

Daraus kann ich dann Programme, Verhaltensweisen, Einstellungen und Taten entwickeln und durchsetzen.

Und wo das in unserer Welt geschieht, da wird sie gerettet! Wir haben also eine Chance!

Hans-Udo Vogler

Rektor emeritus Freienhufen