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| 01:29 Uhr

Die Welt kennt Roggosen

Der Spielmannszug aus dem benachbarten Komptendorf sorgte für musikalische Unterhaltung beim Fest in Roggosen. Foto: T. Richter/trt1
Der Spielmannszug aus dem benachbarten Komptendorf sorgte für musikalische Unterhaltung beim Fest in Roggosen. Foto: T. Richter/trt1 FOTO: T. Richter/trt1
Roggosen. Die 660. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung ihres Ortes haben die Einwohner von Roggosen am Wochenende gefeiert. Ein Gratulant kam mit einem besonderen Präsent: Die Unternehmerin Annemarie Christiansen schenkte dem 267-Einwohner-Dorf einen Wegweiser, der es in sich hat. Von Torsten Richter

Roggosen ist keineswegs ein unbekannter Ort, schon durch die gleichnamige Autobahnabfahrt. Und nicht nur das. "Wir haben unseren Dorfnamen in der Welt bekannt gemacht", sagte Annemarie Christiansen, Geschäftsführerin der in Roggosen ansässigen Industrie- und Fördertechnik GmbH (IFT). Das mittelständische Unternehmen habe Aufträge für über 50 Staaten auf fast allen Kontinenten ausgeführt. Jetzt wolle die Firma ihren Heimatort mit etwas Besonderem schmücken. Anlässlich der 660-Jahr-Feier übergab Christiansen einen selbst hergestellten stählernen Wegweiser, der die Richtungen und Entfernungen zu denjenigen Städten anzeigt, in denen IFT bereits seine Spuren hinterlassen hat. Als weiteste Strecke mussten die Mitarbeiter 11 496 Kilometer bis nach Chuquicamata in Chile zurücklegen.

Neue OrtschronikDoch trotz ihrer weltweiten Bekanntheit bleiben die Roggosener bodenständig. Sie haben jetzt eine Ortschronik erarbeitet, in der die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 660 Jahre festgehalten sind. Die Fäden in der Hand hält Herbert Roy. Schließlich könne der 79-Jährige den Namen seiner Familie im Dorf bereits bis ins Jahr 1856 zurückverfolgen. "Das steht so im Grundbuch drin", versichert Roy.

Damals habe es in der Roggosener Umgebung noch ganz anders ausgesehen als heute. So hatten große feuchte Wiesenflächen mit vielen Erlen die südliche Umgebung geprägt. Vor dem Jahr 1800 soll es dort ein verschilftes Gebiet gegeben haben, aus dem sich auch der Name Roggosen, vom wendischen "rogoz" für "Schilf", hergeleitet hat.

"Die Einwohner hatten sich dort im Dreißigjährigen Krieg vor den feindlichen Truppen versteckt", berichtete Herbert Roy. Vieles habe das Chronikteam um Roy, Heidemarie Reich und Marlies Wonneberger im Cottbuser Stadtarchiv recherchiert. Zudem kann Herbert Roy auf die Überlieferungen seiner Großeltern zurückgreifen. "Sie haben mir viel erzählt", sagte der 79-Jährige. Mittelfristig könnte die Dorfchronik als Buch erscheinen.

Weitere RecherchenAuch Ereignisse und Geschichten um und über die Brandschützer des Dorfes kann Herbert Roy zur Chronik beisteuern. Er selbst war in den Jahren von 1956 bis 2000 Leiter der Roggosener Feuerwehr.

Die Recherchen sind noch längst nicht zu Ende. Sicherlich werden auch die Aktivitäten des seit dem Jahr 1999 amtierenden Ortsvorstehers Manfred Leidel früher oder später in das Geschichtswerk einfließen. In seiner Amtszeit entstanden unter anderem der neue Gehweg und die Straßenbeleuchtung sowie ein Spielplatz. Doch einen großen Wunsch hat Leidel noch immer: "Wir wollen doch endlich unsere Fahrradstraße nach Laubsdorf. Allerdings hat dafür immer das Geld gefehlt." Immerhin sei das Vorhaben nicht für unter 200 000 Euro zu haben.