Der Uebigauer ist schon vor längerer Zeit in Rente gegangen. An den Nagel gehängt hat er zu diesem Zeitpunkt aber wohl nur seine Beschäftigung als langjähriger Leiter der Herzberger Außenstelle der Musikschule des Landkreises, in der er unzähligen Schülern das Musizieren beigebracht hat. Wie viele es in der gesamten Zeit waren? Walter Wolf hat sich noch immer nicht die Mühe gemacht, das nachzurechnen. Vielleicht auch, weil der nach wie vor rüstige Senior bisher eigentlich keine Zeit dazu gefunden hat.

Einmal Musiker, immer Musiker. Auf Wolf trifft das hundertprozentig zu. Auch als 82-Jähriger ist er noch recht flott im Geschäft. Als Stammspieler bei den Züllsdorfer Musikanten ("Das waren alles mal Schüler von mir.") fehlt er nach wie vor bei keinem ihrer Auftritte und leitet die Proben der Band. Außerdem begegnet man ihm auf vielen Friedhöfen der Region, wenn er entweder allein auf dem Keyboard oder gemeinsam mit anderen Blechbläsern für die Trauermusik sorgt. Ob heiter oder traurig, beschwingt oder ernsthaft - Melodien und Instrumente spielen in allen Facetten weiter eine der Hauptrollen im Leben des Musikurgesteins.

Etwas kürzer treten

Wenn er sagt, dass er künftig kürzer treten will, dann möchte man das gar nicht glauben. Der Rücken bereite Probleme, begründet der Uebigauer, der die hiesige Musikszene bereits prägte, als viele der RUNDSCHAU-Leser noch nicht mal auf der Welt waren. Die Wolf-Linge-Formation, die Walter Wolf gründete, nachdem er der Berufsmusiker-Karriere den Rücken gekehrt hatte, war in fast allen Lokalen der Region gern gesehen. Zu ihrer Zeit einfach Kult. "Das waren tolle Zeiten", sagt er.

Genau so gern erinnert er sich an seine Zeit auf Tour mit dem Tanz- und Schauorchester "Gloria", in der er auf alle damaligen Stars der DDR-Musikszene traf. Oder natürlich auch an seine spätere Zeit als Lehrer an der Musikschule. Jüngere Menschen für die Welt der Noten zu begeistern, war für ihn etwas ganz Besonderes. Der Stolz ist deshalb nicht zu überhören, wenn er von seinem Enkel Peter spricht. Der scheint in Opas Fußstapfen zu treten, ist rundum musikalisch und zugleich noch sehr flexibel. Von der Unterhaltungs- über die Blasmusik bis hin zu rockigen Klängen ist ihm nichts fremd. "Das habe ich ihm alles beigebracht", berichtet Walter Wolf, der gern gesehen hätte, wenn der Junior sich ganz und gar der Musik verschrieben hätte. Doch der hat sich für den Beruf des Autoschlossers entschieden, Instrumente und Noten fanden ihren Platz in seiner Freizeit. Was den Opa letztlich doch wieder zufriedenstimmt.

Musik "hinbiegen" für die Bläser

Die Musik "lebt" sozusagen irgendwie weiter. "So einen Auftritt durchzustehen, wird immer anstrengender", stellt der Rentner fest. Auch deshalb wolle er in der 2013er-Saison kürzer treten. Zumindest was das Rumreisen und ausdauernde Musikmachen betrifft. Nicht, was das Schreiben neuer Arrangements angeht. Das noch gute Gehör und die jahrelangen Erfahrungen von Walter Wolf sind die Basis dafür, dass er weiterhin so manche Melodie so hinbiegt, dass sie auch von Blasorchestern gespielt werden können. Hauptabnehmer sind natürlich die Züllsdorfer Musikanten, aber auch auf Anfrage wird der Uebigauer aktiv und lässt Note um Note für das entsprechende Instrument zur gewünschten Melodie verschmelzen. "Das macht mir großen Spaß", bekennt er frei heraus, während er in seinem dicken Album blättert, in dem alle wichtigen Stationen seines (Musiker-)Lebens Platz gefunden haben. Noch relativ neu ist das Foto von seinem Auftritt vor wenigen Monaten bei dem großen Konzert in Herzberg, bei dem Walter Wolf noch einmal an der Seite seiner einstigen Schüler spielte. Es ist nicht auszuschließen, dass sich noch die eine oder andere Seite mit weiteren Rückblicken auf sein stetiges musikalisches Schaffen füllt.