So muss das aber wohl sein, wenn Europas oberste Piratin einlädt, die gerade dabei ist, die gesamte EU in die digitale Zukunft zu führen.

Julia Redas Büro heißt 05F158. Die Frau aus Offenbach hat sich seit ihrem Einzug in die Volksvertretung vergangenen Mai bemerkenswert schnell etabliert - und das als einzige Abgeordnete ihrer Partei. Aus der einsamen Piratin ist eine einflussreiche Politikerin geworden. Das Urheberrecht ist ihr Ding, im doppelten Sinne. Den Piraten ist es zu altbacken und analog. Es geht aber um noch viel größere Fragen: Welches geistige Eigentum darf im Netz kostenlos vervielfältigt werden? Wofür muss der User bezahlen? Welche Rechte hat er, welche der Autor oder Künstler? Die Antworten darauf werden unsere Zukunft prägen und nun von Julia Reda geprägt. Als Newcomerin ist sie gleich Berichterstatterin des Parlaments für das Thema geworden. Dieses Bonbon hat sie den Grünen abgerungen - dafür, dass sie sich deren Fraktion anschloss, um nicht als Solokämpferin im Brüsseler Parlamentsbetrieb hoffnungslos unterzugehen.

2009 hat Julia Reda der SPD den Rücken gekehrt. Sie trat aus, weil sich die Partei im Kampf gegen Kinderpornografie für Internetsperren einsetzte. Julia Reda lebt online seit sie elf war. Damals blieben ihre Freunde ganz nah, obwohl sie mit den Eltern, Übersetzern im Auswärtigen Amt und Italiens Botschaft, von Bonn nach Berlin zog. Das Netz ist für sie daher nicht nur ein Medium wie jedes andere, sondern "hat auch eine emotionale Komponente, das Internet bringt Leute über geografische Grenzen hinweg zusammen" .

Die Leidenschaft für das Netz hat sie mit nach Brüssel gebracht und in den Berichtsentwurf zur Urheberrechtsreform gepackt. "Obwohl manche das von Piraten denken, will ich das Copyright nicht loswerden und keine Revolution lostreten", sagt sie. "Es geht um eine Anpassung ans digitale Zeitalter". Einer ihrer Vorschläge: Wer einmal ein digitales Produkt erworben hat, darf dann auch alles damit tun.