Wenn eine Mutter zu krank ist, um sich um den Haushalt und ihr zwölfjähriges Kind zu kümmern, bekommt sie von ihrer Krankenkasse eine Haushaltshilfe. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Ist das Kind nun schon 13 Jahre oder älter, kann eine Haushaltshilfe nur über Zusatzleistungen in Anspruch genommen werden. Und diese Kosten übernehmen nicht alle gesetzlichen Kassen.

Auch wenn die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zu 95 Prozent gleich sind, geben die restlichen fünf Prozent manchmal den Ausschlag. "Wir reden hier nur über fünf Prozent, aber diese fünf Prozent können sehr unterschiedlich sein", betont Ann Marini vom Gesetzlichen Krankenversicherung Spitzenverband in Berlin.

Unterschiedliche Leistungen

Die fünf Prozent, in denen sich Kassen unterscheiden, verteilen sich auf besondere Serviceleistungen, ausgewählte Extraleistungen oder Geldboni. "Es gibt Krankenkassen mit bestimmten Tendenzen", sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die eine habe bestimmte Zusatzleistungen zum Arbeitnehmerschutz im Angebot, eine andere Kasse lege den Fokus auf chronisch Kranke.

Während für den einen wichtig ist, eine Filiale der Geschäftsstelle vor Ort zu haben, präferiert ein anderer eine 24-Stunden-Beratungshotline. Mütter freuen sich über zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder, Weltenbummler benötigen diverse Schutzimpfungen. "Krankenversicherungen lassen sich auf besondere Bedürfnisse abstimmen", erklärt Marini. Häufig wünschen sich Verbraucher mehr Leistungen in der Naturheilkunde oder bei Homöopathie. Kranich betont allerdings: "Die Krankenkassen haben da gar nicht so viel Spielraum."

Der finanzielle Unterschied von Zusatzleistungen ist meist nicht direkt vergleichbar. Alisa Gottschewsky von der Zeitschrift "Finanztest" gibt ein Beispiel: "Krankenkasse A bezahlt für Zahnreinigungen bis zu 65 Euro im Jahr dazu, Krankenkasse B hat ein Budget von 300 Euro im Jahr für alle Zusatzleistungen - darunter auch die Zahnreinigung." Welche Krankenkasse sich jetzt finanziell mehr lohnt, lässt sich nicht so einfach sagen.

Wer die Krankenkasse wechseln möchte, muss wissen, was ihm wichtig ist. "Man muss sich fragen: Was stört mich bei meiner alten Kasse, was bietet die neue Kasse?", sagt Marini. Die Experten sind sich einig: Ein Wechsel lohnt sich nur dann, wenn man mit der alten Kasse wirklich unzufrieden ist.

Nicht nach Prämien richten

Kranich rät Verbrauchern, gezielt nach bestimmten Leistungen zu suchen, wenn sie sich für einen Wechsel entschlossen haben. Wer sich beim Wechsel nach Prämien richtet, muss sich im Klaren darüber sein, dass diese im nächsten Jahr schon wieder ausfallen können. "Die Prämie ist nur ein nettes Sahnehäubchen", so Gottschewsky. "Ein Grund zu wechseln sollte sie aber nicht sein."

Für einen Wechsel kommen in Deutschland rund 130 gesetzliche Krankenkassen infrage - nicht jede Kasse ist aber auch in dem Bundesland verfügbar, in dem man wohnt oder arbeitet. Grundsätzlich können Verbraucher aber nur eine Kasse wählen, die es auch in dem eigenen Bundesland gibt. Wer aber zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen arbeitet und in Niedersachsen wohnt, kann in beiden Bundesländern nach verfügbaren Kassen suchen.

Kündigungsfrist beachten

"Jeder kann wechseln, der 18 Monate Mitglied war", erklärt Ann Marini das Prozedere. Um zu kündigen, muss kein Grund genannt werden. Einzige Ausnahme: Bei bestimmten Wahltarifen muss man drei Jahre Mitglied gewesen sein.

Die Übergangszeit von einer Kasse zur nächsten beträgt in der Regel zwei Monate. Wer also Ende Oktober seiner alten Krankenkasse kündigt, könnte am 1. Januar schon Mitglied seiner Wunschkrankenkasse sein.