Etwa 1,8 Milliarden Potenzpillen hat Viagra-Hersteller Pfizer nach eigenen Angaben weltweit bislang verkauft. Nach Viagra kamen mit Levitra und Cialis später noch zwei weitere Mittel ins Apothekenregal, die direkt auf den Schwellkörper des Gliedes wirken. Generelle Unterschiede gebe es nicht, erläutert die Chefärztin der Klinischen Andrologie am Universitätsklinikum Münster, Prof. Sabine Kliesch. "Die eine wirkt schneller, die andere länger oder ist für Diabetiker besser geeignet. Viele testen alle drei hintereinander und entscheiden sich dann für eine."

Zehn Jahre Viagra haben Millionen Menschen wieder zu Sex verholfen. Hauptkonsumenten sind laut Kliesch Männer mit Risikofaktoren für Erektionsstörungen: über 50 Jahre, Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht. Zusätzlich habe diese Pille weitere Vorteile. "Es ist ganz sicher so, dass Viagra das Thema erektile Dysfunktion enttabuisiert hat.

" Das habe auch einen direkten Gesundheitsnutzen: "Ärzte und Patienten sprechen nun häufiger über das Problem, das oft ein Frühwarnsymptom für andere Gefäßkrankheiten ist, wie etwa später ein Herzinfarkt."

Fest stehe: Ohne medizinischen Grund werde Viagra nicht verschrieben, und auch dann müsse der Mann alles zahlen - je nach Packungsgröße laut Pfizer 10 bis 15 Euro pro Pille. "Das ist pro Woche so teuer wie Rauchen", meint Kliesch.

Den Verkaufserfolg von Viagra hat das Schlankheitsmittel Xenical zwar nicht ganz erreicht, doch als es im September 1998 auf den Markt kam, war es innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Mittlerweile sei die Euphorie aber abgeflaut, sagt Prof. Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung Klinische Ernährung im Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. "Es hat sich gezeigt, dass das Abnehmen mit solchen Pillen gar nicht so effektiv ist, wie sich die Leute das wünschen.

" Xenical allein mache jemanden, der 130 Kilogramm wiege, nicht schlank. Die türkisfarbenen Kapseln können das Körpergewicht nur um einige Kilogramm reduzieren.

Dennoch sind Xenical und andere Schlankheitspillen wie Reduktil und Acomplia nach Meinung von Pfeiffer sinnvolle Medikamente, da sie das Risiko für Typ 2-Diabetes deutlich senken können. "Wenn man vier Kilogramm zunimmt, dann verdoppelt man sein Diabetes-Risiko." Diesen Nutzen würden die Verbraucher aber nicht sehen, ihnen gehe es allein um den kosmetischen Aspekt.

Auch Propecia gibt es in deutschen Apotheken nur auf Rezept. Ärzte dürfen das Medikament nur Männern mit erblich bedingtem Haarausfall verschreiben. Hauptnutzer seien 20- bis 35-Jährige, sagt Dermatologe Prof. Markus Böhm vom Universitätsklinikum Münster. In Deutschland nehmen rund 35 000 Männer das Mittel. Als Nebenwirkung bei der Langzeiteinnahme von Propecia könne sich in wenigen Fällen allerdings die Brust vergrößern - oder die Erektionsfähigkeit vermindern.

"Der Erfolg von Viagra war ein Türöffner für Lifestyle-Medikamente wie Botox, Schlankheitspillen, Haarwuchs- oder Potenz-Mittel", sagt Becker-Brüser, Herausgeber der pharmakritischen Zeitung "Arznei-Telegramm". Bei ihrer Anwendung herrsche eine gewisse Gedankenlosigkeit. "Das sind alles Medikamente, die nicht ohne Nebenwirkungen sind, aber sie werden wie Zuckerpillen geschluckt oder leichtfertig gespritzt.