Wohin können sich Angehörige möglicher Opfer wenden?
Germanwings hat eine Hotline für Angehörige von Passagieren unter der Nummer 0800 1133 eingerichtet, der Flughafen Düsseldorf hat eine Nummer unter 0800 7766350, eingerichtet, das Auswärtige Amt ist für Betroffene unter 030 5000 3000 zu erreichen. "Es geht darum, den Menschen so schnell wie möglich mitzuteilen, ob ihre Angehörigen betroffen sind", sagt der Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum, der schon Opfer mehrerer Flugunglücke vertrat. "Europas Airlines geben sich große Mühe, Betroffenen von solchen Unglücken direkt nach Bekanntwerden systematisch unter anderem mit Psychologen beizustehen."

Gibt es sofortige finanzielle Hilfe?
Germanwings muss den Angehörigen der Toten innerhalb von 15 Tagen jeweils knapp 24 000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung stellen. Dies sehen die Allgemeinen Beförderungsbedingen des Unternehmens vor. Der Betrag kann mit einer späteren Gesamtentschädigung verrechnet werden.

Wie wichtig ist psychologische und menschliche Unterstützung?
Gerhart Baum erzählt aus seiner Erfahrung unter anderem zum Anschlag von Lockerbie (1988) (und bei einem Absturz von Birgen Air (1996), dass menschliche Hilfe für die Angehörigen natürlich viel wichtiger ist als Geld. Es sei auch für die Angehörigen extrem bedeutsam ausführlich über das Unglück informiert zu werden. "Die Menschen wollen wissen, was passiert ist, sie wollen erfahren, ob vielleicht Fehler gemacht wurden, und ob man vielleicht etwas für die Zukunft lernen kann." Dabei rät Baum ebenso wie der Mönchengladbacher Anwalt Christof Wellens dazu, den Kontakt mit Angehörigengruppen vergleichbarer Unglücke zu suchen.

Helfen Opferorganisationen aus der Region mit Geld?
Ja. Den Angehörigen des Germanwings-Absturzes bietet der Mönchengladbacher Betroffenenvereins "Crash" Unterstützung an. "Wir stehen bereit, Opfern zu helfen", sagt Anwalt Wellens, der auch Vorsitzender des Vereins Crash aus Mönchengladbach ist. "Die Angehörigen brauchen trotz vieler staatlicher Hilfsangebote eine finanzielle Sofortunterstützung, um den Lebensunterhalt zu sichern oder um die Beerdigung zu organisieren."

Den Verein Crash hatten Opfer-Angehörige nach dem Absturz einer Concorde im Jahr 2000 gegründet, nachdem dabei 13 Bürger der Stadt Mönchengladbach gestorben waren. Aus den damaligen Entschädigungen sowie privaten Spenden verfügt der Verein über ein stattliches Soforthilfsprogramm.

Wie hoch wird eine langfristige Entschädigung sein?
Anwälte wie Gerhart Baum, sein Kanzleikollege Julius Reiter oder auch Christof Wellens vermuten, dass wahrscheinlich französisches Recht bei der Entschädigung der Betroffenen angewendet wird, weil das Flugzeug in Frankreich abstürzte und weil Airbus ein französisches Unternehmen ist. Dies würde höhere Zahlungen als in Deutschland bedeuten, unter anderem weil in Frankreich mehr Angehörige als in Deutschland entschädigt werden. Relativ sicher ist aber, dass es auf keinen Fall mehr als 100 000 Euro Schmerzensgeld für einzelne Betroffene geben wird.

Höhere Beträge könnten allerdings fällig werden, um bei betroffenen Familien tatsächlich entstandene Schäden auszugleichen. "Da wird langfristig ausgerechnet, wie viel Geld eine Witwe oder ein Witwer und die Kinder auf längere Frist brauchen", erklärt Ex-Minister Baum. Also könnten Beträge von weit mehr als 100 000 Euro zusammenkommen - bei Rechtssprechung nach US-Recht wären dagegen Millionen alleine als Schmerzensgeld fällig.

Spielt die Unglücksursache eine Rolle bei der Entschädigung?
Ja, falls es Fehler bei der Wartung, technische Schwächen oder einen Pilotenfehler gab, spricht dies für relativ hohe Entschädigungen. Falls dagegen weder Germanwings noch Airbus irgendeinen Fehler machten - beispielsweise bei Abschuss durch eine Rakete von Terroristen - haben die Betroffenen es schwerer, hohe Entschädigungen durchzusetzen.

Wer zahlt Entschädigungen?
Zahlen werden voraussichtlich Versicherungen - die Allianz ist Branchenkreisen zufolge Hauptversicherer von Lufthansa.

Können Bürger nun eine Flugreise bei Germanwings oder einer anderen Airline ohne Stornogebühr absagen?
Rein juristisch gibt es wegen der Katastrophe kein Rücktrittsrecht. Anwalt Wellens vermutet eher eine harte Linie von Fluggesellschaften oder Hotels, um keine Präzedenzfälle zu schaffen, auf die sich wiederum andere Reisende berufen können. Gerhart Baum hält es dagegen für möglich, dass Luftfahrtgesellschaften oder auch Hotels in Einzelfällen aus Kulanz akzeptieren, wenn Menschen eine Reise nun aus Sorge vor einem Absturz absagen.