Liegt ein Angehöriger in der Klinik, kann er schon zu diesem Zeitpunkt in eine Pflegestufe eingruppiert werden. Haben Verwandte den Eindruck, der Betroffene wird zu Hause nicht mehr alleine zurechtkommen, sollten sie sich so früh wie möglich darum kümmern.

Antragstellung. Dazu müssen sie einen Antrag bei ihrer Pflegekasse stellen, die einen Prüfer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) schickt. Die Begutachtung in der Klinik entscheidet aber nur über eine vorläufige Pflegestufe, erklärt Christiane Grote vom MDK. Eine endgültige Überprüfung findet zu Hause statt.

Widerspruch einlegen. Gegen das Ergebnis der Begutachtung kann Widerspruch bei der Pflegekasse eingelegt werden. "Dafür bleibt ein Monat Zeit", sagt Grote. Danach kann ein zweiter Termin zur Begutachtung vereinbart werden. In der Regel nehme diese ein anderer Mitarbeiter des MDK vor als beim ersten Mal.

Spezielle Wünsche für Begutachtung äußern. Haben Angehörige spezielle Wünsche, beispielsweise dass ihre Mutter von einer Frau eingeschätzt wird, sollten sie dies äußern. "Sie haben keinen Anspruch darauf, aber der MDK wird sich bemühen, den Wunsch zu erfüllen."

Doch auch, wenn jemand schon eine Pflegestufe hat, kann eine erneute Begutachtung nötig sein. "Dabei wird geschaut: Was hat sich seit dem letzten Mal verändert?", sagt Grote. Ein Schlaganfall könne etwa dazu führen, dass sich jemand nicht mehr selbst waschen und anziehen kann.

Höhere Einstufung vorbereiten. Haben Angehörige das Gefühl, die Pflegestufe reiche nicht mehr aus, sollten sie sich mit dem Hausarzt oder einem Pflegedienst beraten. Die könnten im Zweifel gut abschätzen, ob ein Antrag auf eine höhere Pflegestufe Erfolg hat. Wie oft so eine Wiederbegutachtung beantragt werden muss, sei von Fall zu Fall unterschiedlich. Bei einer Krebserkrankung mit dramatischem Verlauf könne das öfter nötig sein, als bei anderen Krankheiten. Eine Häufigkeitsgrenze für die Beurteilung gebe es nicht

Pflegetagebuch empfehlenswert. Wie viel Zeit eine Pflege in Anspruch nimmt, können Angehörige anfangs nur schwer einschätzen. Einen besseren Überblick bekommt, wer die einzelnen Handgriffe schriftlich festhält. Dazu lässt sich ein Pflegetagebuch herunterladen, das die Landesstelle Pflegende Angehörige in Münster online bereitstellt (siehe Internetlink). Unter der Rufnummer 0800 22 044 00 kann es auch kostenlos telefonisch bestellt werden. Das Pflege tagebuch kann auch hilfreich sein, wenn ein Gutachter die Pflegebedürftigkeit einstufen muss. Pflegende haben oft das Problem, dass sie den Pflegebedarf eher aus dem Bauch heraus einschätzen. Deshalb hat es sich bewährt, in den Wochen vor der Begutachtung alle Schritte aufzuschreiben.

dpaq.de/cteLPen