Obgleich die Ostdeutschen seit 1991 einbezogen werden, gibt es viele, die nie betroffen sind. Eine Cottbuser Seniorin verunsicherte deshalb der Brief an sie als "Auserwählter". "Das Datum war handschriftlich geändert. Das machte mich stutzig", sagt sie.

Doch wo sie wegen der Richtigkeit der Befragung auch nachhakte - bei der Polizei oder im Bürgeramt der Stadtverwaltung - keiner konnte sie zum Mikrozensus beruhigen. Unseriöse Haustürgeschäfte, Enkeltrick, will jemand in ihre Wohnung? 300 Euro Zwangsgeld drohen dem berichtspflichtigen Bürger, sagt Dr. Heike Hendl vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, wenn er gegen das Mikrozensusgesetz handelt. "Sendet er den ausgefüllten Bogen dann aber, weil er sieht, wie ernst es uns ist, wird das Verfahren gestoppt, es muss nicht gezahlt werden. Sendet er nicht - unabhängig davon, ob er zahlt oder nicht - so geht das Verfahren weiter. Zwangsgeld bedeutet im Unterschied zum Bußgeld, dass sich niemand freikaufen kann", erklärt sie.

Die Cottbuser Seniorin hat das nach einer kleinen Recherche im Internet schnell verstanden. Dem Befrager sagte sie zwar den Termin in ihrer Wohnung ab, aber einen neuen Termin für eine telefonische Beantwortung hat sie vereinbart. Wie Heike Hendl bestätigt, muss sie den Befrager nicht in die Wohnung einladen. "Die Bürger können den Bogen allein ausfüllen oder am Telefon auf die Fragen reagieren."

Im Zufallsverfahren werden zunächst Gebäude ausgewählt und dann die Bewohner einbezogen, was bedeutet, dass auch die Nachbarn "gefragt" sein könnten. Neben der Pflicht gibt es freiwillige Fragen. Zu Wohnsituation, Migration, Kranken-, Renten-, und Lebensversicherung, Pendlerverhalten und Gesundheit - das wechselt im vierjährigen Rhythmus. Die Ergebnisse werden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. "Sie liefern ein Abbild zur wirtschaftlichen und sozialen Lage sowie zum Arbeitsmarkt", sagt Heike Hendl.

Missbraucht worden sei der Mikrozensus noch nicht. "Aber wenn Sie nach Einkommensangaben plötzlich gefragt werden, welchen Wein Sie bevorzugen, sollten Sie stutzig werden", rät Heike Hendl.