Der Informatiker Johannes Köber denkt nicht ans Heiraten. Er lebt mit seiner Freundin Lisa Matysiak ohne Trauschein zusammen. Finanziell würde dem Bayern die Ehe mit Lisa auch nicht viel bringen. Gerade mal 193 Euro bekämen beide vom Finanzamt als Hochzeitsgeschenk. Lisa arbeitet im Altenheim. Sie versteuert nach dem Grundtarif für Alleinstehende 16 993 Euro und zahlt 1911 Euro Einkommensteuer. Addiert mit der Steuer von Johannes erhält das Finanzamt 7517 Euro. Mit Trauschein könnte das Paar den Splittingtarif wählen, aber nur 193 Euro Einkommensteuer sparen. Mehr ist nicht drin, weil beide Einkommen nah beieinander liegen und Lisa relativ wenig verdient.

Steuervorteil für Ehepaare. Der Splittingtarif ist für Ehepaare günstig, wenn beide Partner unterschiedlich viel Einkommen versteuern müssen. Je größer der Unterschied, desto besser. Beispiel: Versteuern Johannes Köber und Lisa Matysiak zusammen 100 000 Euro, zahlen sie 25 694 Euro Einkommensteuer. Tragen beide gleich viel zum Einkommen bei, ist die Steuer nach der Hochzeit genauso hoch wie vorher. Beträgt Lisas Einkommen 66 000 Euro (66 Prozent) und das von Johannes 34 000 Euro (34 Prozent), sparen beide mit dem Splittingtarif 777 Euro. Auf 2435 Euro steigt die Steuerersparnis, wenn Lisa 80 Prozent (80 000 Euro) des gemeinsamen Einkommens versteuert. Verdient Johannes gar nichts, gewinnen beide nach der Hochzeit 8134 Euro im Jahr. Dafür muss Lisa ihren Mann aber auch finanziell unterstützen und kann nichts vom Unterhalt beim Finanzamt absetzen.

Plus und Minus für Alleinerziehende. Alleinerziehende verlieren den Entlastungsbetrag von 1308 Euro, wenn sie heiraten. Sind die Einkommen beider Partner unterschiedlich, macht der Splittingtarif den Verlust meist wett. Verdient jeder gleich, geht dagegen Geld verloren. Beispiel: Versteuern Lisa Matysiak und Johannes Köber jeder 30 000 Euro im Jahr, ist der Splittingtarif kein Gewinn. Verliert Lisa den Entlastungsbetrag von 1308 Euro, zahlt das Paar sogar 408 Euro mehr Steuer als vor der Hochzeit. Muss auch Johannes Köber auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende verzichten, ist die Steuer 816 Euro höher.

Splittingvorteil im Hochzeitsjahr. Wenn Ehepaare vom Splittingtarif profitieren, müssen sie in der Steuererklärung für das Hochzeitsjahr nur die Zusammenveranlagung ankreuzen und die gemeinsame Adresse angeben. Schon gewinnen sie Hunderte oder Tausende Euro. Arbeitnehmer können sich den Splittingvorteil gleich nach der Hochzeit sichern. Sie holen beim Arbeitgeber ihre Steuerkarten für 2011 ab und beantragen beim Finanzamt entweder die Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor. Dann bleibt vom Gehalt gleich mehr übrig. Die Kombination III/V ist sinnvoll, wenn ein Partner allein verdient oder ungefähr 60 Prozent zum gemeinsamen Bruttolohn beisteuert. Ist der Unterschied größer, kann das Finanzamt später Geld nachfordern. Wer das nicht will, nimmt die Kombination IV/IV mit Faktor. Die berücksichtigt den Splittingtarif von Berufstätigen am genauesten. Die Steuerklasse IV können Ehepartner auch ohne Faktor auf ihre Lohnsteuerkarten eintragen lassen. Das ist aber nur sinnvoll, wenn beide ungefähr gleich viel verdienen.

Splittingvorteil für getrennte Ehepaare. Zerbricht eine Ehe, können beide Partner den Splittingvorteil zuletzt im Jahr der Trennung wählen. Sie behalten ihre Steuerklassen und kreuzen in der Steuererklärung noch mal die Zusammenveranlagung an. Müssen Steuerzahler ihren Ex unterstützen, können sie Unterhalt bis 13 805 Euro im Jahr als Sonderausgabe absetzen. Bis zu 8004 Euro im Jahr erkennt das Finanzamt alternativ als außergewöhnliche Belastung an.

Gleichgeschlechtliche Paare. Gleichgeschlechtliche Partner können ebenfalls bis zu 8004 Euro im Jahr als außergewöhnliche Belastung abrechnen, wenn sie ihren Lebensgefährten unterstützen. Den Splittingtarif erhalten sie selbst mit gesetzlicher Lebenspartnerschaft nicht. Sie können sich aber auf mehrere Verfassungsbeschwerden berufen und binnen eines Monats Einspruch einlegen, wenn ihr Steuerbescheid kommt. Dann bleibt der Bescheid bis zur juristischen Klärung offen.

Ausführlich in Finanztest 10/11

Zum Thema:

Tipps von Experten Hochzeitsjahr. Wählen Sie als Ehepaar die Zusammenveranlagung, wenn der Splittingtarif für Sie am besten ist. Ermitteln Sie Ihre exakte Einkommensteuer mit dem Internetrechner unter www.test.de/rechner-steuertarif. Lohn. Ändern Sie gleich nach der Heirat Ihre Steuerklassen, wenn Sie mit dem Splittingtarif schon bei der monatlichen Gehaltsabrechnung Steuern sparen wollen. Trennung. Nutzen Sie im letzten Jahr, in dem Sie mit Ihrem Ehepartner zusammenleben, noch mal den Splittingtarif, wenn er vorteilhaft ist. Geben Sie nach dem Trennungsjahr Unterhalt in Ihrer Steuererklärung an, wenn Sie Ihren Expartner unterstützen. Ohne Trauschein. Rechnen Sie Unterhalt für den Lebensgefährten in der Steuererklärung ab. Das können auch gleichgeschlechtliche Lebenspartner tun.