Sobald nach dem Winter der letzte Frost verflogen ist, beginnt für Jochen Weihrauch die Arbeit. "Zunächst müssen das Moos und die oberste Schicht des alten Sandes abgetragen werden", erklärt er. Diese Arbeit an den drei Plätzen sei besonders aufwendig und dauere allein rund vier Wochen. Dabei ist alles Handarbeit, Technik steht dem Rentner nicht zur Verfügung. "Es fehlt eine Kehrmaschine", sagt der Ehrenamtler. Doch dafür habe der Verein kein Geld. So müsse er auf sein gutes Augenmaß und die jahrelange Erfahrung vertrauen.

Tägliche Arbeit auf der Anlage

Von März bis Mitte April müssen die Plätze täglich zweimal gewalzt sowie mehrmals gewässert und mit einem Netz abgezogen werden, damit der Untergrund fest wird. Schwierig sei vor allem das Befestigen der Plastiklinien, die von Jochen Weihrauch in akribischer Kleinarbeit eingeschwemmt und eingestampft werden. "Zudem muss alles in der Waage gehalten werden." Während dieser Zeit bleibe zu Hause häufig einiges liegen. "Da muss meine Frau viel Verständnis aufbringen." Anfang Mai beginnt dann bereits die Punktspielsaison. Über mehr Unterstützung würde sich Jochen Weihrauch natürlich freuen. Sei es in Form von Technik oder in Person eines Helfers. "Manchmal fühle ich mich ganz schön verloren auf der großen Anlage", erzählt er. Die Mühe hat sich in diesem Jahr aber wieder gelohnt. Die Plätze sind auch nach der langen Freiluftsaison noch in hervorragendem Zustand.

Jochen Weihrauch kam erst spät zum Tennis. Mit knapp 50 Jahren habe er zum ersten Mal die gelben Filzbälle über das Netz geschlagen. Vorher spielte der ehemalige Sportlehrer viele Jahre lang Handball. "Mein Bruder hatte mir einen Tennisschläger geschenkt, dann ging es los", erinnert er sich. Damals wurde noch auf den beiden Sandplätzen am Schwimmbad gespielt. "Mir hatte der Sport sofort großen Spaß gemacht." Neben der Fitness komme es beim Tennis vor allem auf die Technik und beim Wettkampf auf die richtige Taktik an. "Im Einzel ist jeder auf sich allein gestellt, da ist der Kopf gefragt." Diese Mischung mache das Spiel aus. Die ersten Trainingsstunden habe er während der Wendezeit bei Ivana Jankovska genommen. "Als Sportlehrer war es für mich kein Problem, die Methodik des Spiels abzuschauen und die Technik schnell zu erlernen." Wenige Jahre später stand Jochen Weihrauch selbst als Trainer auf der anderen Seite des Netzes. Bei Projekttagen der Schule wurde den Mädchen und Jungen das Spiel näher gebracht. Damals sei die Begeisterung zu Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf viel größer gewesen als heute. Tennis war in aller Munde und wurde oft im Fernsehen übertragen. Fast alle Spieler der heutigen ersten Männer-Mannschaft, die derzeit sehr erfolgreich in der Bezirksoberliga spielt, haben bei Jochen Weihrauch das Tennis-Abc erlernt.

Schon kurz nach dem der Dahmenser bei Empor mit dem Tennis spielen begonnen hatte, kümmerte er sich um die Plätze. "Ich konnte einfach kein Gras sehen", begründet er. Der Untergrund auf den Courts am Schwimmbad sei sehr weich gewesen. Die Plätze hatten die Mitglieder mit einfachen Mitteln selbst gebaut. "Immer wieder wuchs Unkraut darauf." Die Bedingungen auf der alten Anlage seien alles andere als optimal gewesen. Umso größer war die Freude, als der Verein im Jahr 2005 die Fördermittel für eine neue Anlage direkt neben der SportWelt bewilligt bekam. "Das war für uns damals ein großer Glücksfall." Im Frühling 2006 wurde die moderne Drei-Platz-Anlage offiziell eröffnet. "Heute zählen die Felder zu den besten Plätzen Südbrandenburgs", sagt Stephen Berndt, Vorstandsmitglied bei Empor Dahme und selbst aktiver Tennisspieler. "Das ist in erster Linie ein Verdienst von Jochen Weihrauch." Die Tennisspieler wissen um das große Engagement ihres Sektionsmitgliedes. Schon vor Jahren schenkten sie ihm ein Schild mit der Aufschrift "Jochen-Weihrauch-Kampfbahn". Das hängt heute über den Eingang der Tennisanlage. Der 69-Jährige greift natürlich auch selbst regelmäßig zum Racket. "Donnerstag ist der wichtigste Tag während der Woche", erzählt er schmunzelnd. Dann stehe das Training mit seiner Senioren-Truppe auf dem Programm. Mit der Ü50-Mannschaft nimmt er zudem an der Lausitzer Punktspielserie teil.

Offizielle Einzel-Meisterschaften sind für Jochen Weihrauch aber nicht mehr interessant. "In meiner Altersklasse gibt in unserer Region fast keine Spieler", begründet er. Doch sei dies für ihn auch nicht wichtig. "Es ist einfach wunderschön, an einem Sommerabend mit Freunden draußen Tennis zu spielen und sich gemeinsam zweieinhalb Stunden lang zu bewegen." Dabei gefalle ihm besonders die Kameradschaft und Fairness dieser Sportart. Als Trainer steht Jochen Weihrauch ebenfalls wöchentlich auf dem Platz. Immer montags gibt er den Frauen Ratschläge für eine bessere Technik.

Regelmäßige Pflege

Die Plätze benötigen auch in den Sommermonaten viel Pflege und bei Trockenheit vor allem eine regelmäßige Bewässerung. Der Blick zum Wetterbericht gehört ebenso zum täglichen Ritual des Helfers wie ein Rundgang über die Anlage. Sobald ein Grashalm zu sehen ist, zupft ihn Jochen Weihrauch heraus. Schließlich sollen die Spieler optimale Bedingungen vorfinden. "Leider werden die Plätze zu wenig genutzt. Unsere schöne Anlage hat noch viele freie Kapazitäten", bedauert der Platzwart. Bis Ende Oktober könne problemlos gespielt werden, teilweise sogar noch länger. Erst wenn der erste Frost kommt, werden die Plätze abgeräumt und winterfest gemacht. Für das kommende Jahr hat Jochen Weihrauch einen Wunsch: "Ich hoffe, dass mich noch jemand mit unterstützt." Vor allem bei Urlaubs- und Krankheitstagen fehle eine Vertretung. "Danach gibt es immer besonders viel zu tun."

Wenn Jochen Weihrauch nicht auf dem Tennisplatz steht, geht er seiner zweiten großen Leidenschaft nach. Dann nämlich ist der Musiker mit seinem "Rumpelkammerorchester" unterwegs, das im kommenden Jahr seines 25. Jubiläum feiert. Die fröhlichen Lieder des Sängers, der früher bei "Matador" gespielt hat, sind weit über die Stadtgrenzen von Dahme bekannt, aber natürlich besonders bei den Empor-Spielern beliebt. Vor allem, wenn er sein lustiges Tennislied anstimmt, ist gute Laune vorprogrammiert.