Der Bauer erzählte mir die Geschichte von diesem Esel: "Bei einem umherziehenden Zirkus habe er vor Jahren das Tier gesehen. Es war abgemagert bis auf die Knochen. Es stand im Freien hatte keinen Stall und lief im Zirkus so mit. So sei der Esel über die Jahre aggressiv geworden. Im Zirkus konnte man ihn für Kunststückchen nicht mehr brauchen, weil es besser war, sich ihm nicht zu nähern. Er schlug aus und biss um sich.

Da habe er Mitleid mit dem Esel gehabt. Wenn man immer nur fordert, wenn man geschlagen wird, wenn man nicht regelmäßig Futter bekommt und kein Dach über dem Kopf hat, dann wird man so eigen, wie der Esel geworden ist. Wie wäre es, dachte ich bei mir, wenn ich es mit Liebe und Fürsorge versuchen würde?

Ich kaufte das Tier frei und nahm es mit nach Hause. Jetzt sei der Esel schon zwölf Jahre bei ihm, und der Esel hat Lebensrecht auf immer. Das heimatlose, aggressive Tier habe sich in all den Jahren vollkommen verändert. Es sei sozusagen ein neuer Esel geworden. Man könne es ohne Angst streicheln, mit ihm spazieren gehen, ja es sei richtig anhänglich geworden. Und das alles nur, weil es einen Stall hat, in dem es gepflegt, versorgt und geliebt wird."

Dieses Bild hat sich mir eingeprägt: Ein Bauer, der Geschundenes in seinen Stall stellt, um es zu Hause zu pflegen, sodass etwas Neues entsteht.

Genauso macht es Gott zum heiligen Weihnachtsfest in diesem Stall von Bethlehem: Er kauft alle geschundenen, verachteten, gequälten und verletzten Menschen, die in der Ungeborgenheit sind, frei. Er erbarmt sich all der Menschen, die es in dem Theater der Welt nicht mehr packen, heimatlos und depressiv geworden sind. Er führt sie nach Hause in den Stall zu Bethlehem. Dort, wo das Christuskind in der Krippe liegt, dort pflegt Er die Menschen. Lässt sie Heimat finden. Lässt sie Annahme und Bejahung erfahren. Lässt sie Lebenssinn und Freude entdecken. Macht neue Menschen aus ihnen.

Für mich ist das ein einprägsames Weihnachtsbild: Von Gott nach Hause gebracht werden, um dort von dem Christuskind in die Pflege genommen zu werden. So eröffnet sich neue Gegenwart und Zukunft. So entsteht neues Leben für jeden, der unter das Dach des Stalles von Bethlehem geht.

Peter Wroblewski ist Krankenhausseelsorger und Lebensberater in Guben