Dreska. Der damals neunjährige Helmut Rösler aus Dreska, welcher zu dieser Zeit mit seinen Eltern im gegenüberliegenden Wohnhaus beheimatet war, wurde Augenzeuge der Ereignisse.

Schlimme Erinnerung

Er erzählt: "Am 22. April 1945, einem Sonntag, blieb in der Nähe der Bahnstrecke ein Lkw der Luftwaffe liegen. Gegen 8 Uhr versuchte die Besatzung des Fahrzeugs, bestehend aus sechs Angehörigen einer Wehrmachtsschreibstube der Luftwaffe, verzweifelt im Wohnhaus an der Schranke Unterschlupf zu finden. Aus Sicherheitsgründen, Frauen und Kinder befanden sich im Keller des Hauses, wurde ihnen auf ihr Klopfen jedoch vom Bewohner der Einlass verwehrt. Am darauf folgenden Tag fand man alle sechs Soldaten erschlagen in dem an der Strecke liegenden Schrankenwärterhäuschen. Ihr Blut war bis an die Decke des Raumes gespritzt." Diesen Anblick konnte Helmut Rösler sein Leben lang nicht vergessen. Die Soldaten hatten sich offenkundig nicht gewehrt. Sechs Panzerfäuste, die zu ihrer Bewaffnung gehört hatten, blieben noch wochenlang in unmittelbarer Nähe unberührt liegen.

Die sechs Soldaten wurden auf dem Friedhof in Dreska bestattet. Bis zum Anfang der sechziger Jahre standen die Holzkreuze mit den aufgesetzten, immer mehr verrostenden Stahlhelmen auf den Soldatengräbern. Heute erinnert die Inschrift auf einem Findlingsstein an dieser Stelle an die unbekannten Männer. Die deutschen Soldaten waren vermutlich aus der Muna in Hohenleipisch gekommen. Die Anlage mit 100 Munitionsbunkern gehörte zur Luftwaffe, da von hier aus die umliegenden Flugplätze mit Munition versorgt wurden.

Der 22. April 1945

In der Nacht zum 22. April waren russische Panzer mit begleitender Artillerie in Richtung Plessa unterwegs. In Hohenleipisch ertönt gegen ein Uhr das Signal zu Sprengungen der zurückgelassenen Munition. Zu den letzten Detonationen aus Richtung Muna gesellten sich am Morgen erste russische Artillerieeinschläge aus Richtung Döllingen. Plessa ist zu diesem Zeitpunkt schon vollgestopft mit sowjetischen Fahrzeugen aller Art, Haus für Haus wird nach Wehrmachtsangehörigen, Uhren, Schnaps, Essbarem und Frauen durchsucht. Zu dieser Zeit befährt die Vorausabteilung des sowjetischen 175. GSR von Lauchhammer über Bockwitz, Grünewalde, Staupitz, Gorden kommend, die Mittelstraße im Wald nördlich von Hohenleipisch in Richtung Dobra. Den aus dem Ort Flüchtenden werden beim Überqueren der Straße die Pferde ausgespannt. Leicht bewaffnete Verbände trennen sich hinter Gorden und marschieren auf Hohenleipisch. Massiv dringen die russischen Soldaten in Hohenleipisch ein. Elsterwerda ist morgens wie ausgestorben.

Gegen 7 Uhr ist Gewehr- und Maschinengewehrfeuer zu hören. Die Vorposten sind in gegenseitige Berührung gekommen. Aus Richtung Elsterwerdaer Weinberge beschießt ein Artilleriegeschütz mit wenigen Schüssen die aus Richtung Plessa anrückenden russischen Einheiten, bevor seine Besatzung das Weite suchte. Die Volkssturmleute sind größtenteils zurückgegangen, haben ihre Stellungen verlassen. Panzersperren sind an der Kreuzung Richtung Lauchhammer und in Biehla am Winterberg errichtet. Ein von zwei SS-Soldaten besetztes Panzerabwehrgeschütz feuert, als russische Soldaten aus Richtung Plessa kommen. Dabei werden einige getötet. Die beiden Schützen können noch flüchten, werden aber später erwischt und erschossen. Die Bogenbrücke über der Elster und die Pulsnitzbrücke werden gesprengt. Die Eisenbahnbrücke wird schwer beschädigt. Vormittags erfolgt, nachdem der Volkssturm geflüchtet ist, die kampflose Einnahme von Elsterwerda durch die sowjetische Armee.

Gegen 10.30 Uhr fährt die erste russische Kavallerie-Patrouille auf der Uferstraße in Elsterwerda. Eine Kolonne kam von Plessa und eine andere über die Schradendörfer aus Richtung Ortrand. Beide Kolonnen haben sich vereinigt und sind dann Richtung Liebenwerda gezogen. Die Einnahme von Elsterwerda brachte aufgrund der anfänglichen Gegenwehr etwa 40 Kosaken den Tod.