Flink turnen die Männer vom städtischen Eigenbetrieb Grün- und Parkanlagen über das Pyramiden gerüstet. "Ein Stücken hoch! Halt! Das war zu viel", rufen sie. Joachim Krause von der Elektroenergieversorgung Cottbus GmbH blinzelt durch die getönte Brille. Er hat die Fernbedienung für den Kran vorm Bauch und muss Millimeterarbeit leisten. Dann wird wieder ein noch größerer Schraubenschlüssel gebraucht. Ein dickes Seil fällt nach unten. Wo liegt der Hammer? Seit 1984 hilft Krause beim Aufbau der Pyramide - beim ersten Mal waren es noch Figuren aus dem Kinderfernsehen der DDR, bis 1985 die Holzfiguren nach erzgebirgischem Vorbild festgeschraubt worden. Zwölf sind es - auf jeder Etage vier: die Handwerker, die Märchenfiguren und ganz oben dann die Postkutscher. Sie glänzen frisch lackiert und müssen wie die Lichter nur gut festgeschraubt werden. Aber das Grundgerüst zusammenzubekommen, sei gar nicht so einfach. "Das Holz arbeitet ja, da müssen wir an so mancher Stelle mit dem Hammer nachhelfen", sagt Krause. Und an das Getriebe will er noch gar nicht denken.

Zu kalt fürs Getriebe

Alles wird gut eingefettet, aber dem Getriebe machen die besonders kalten Winter in den vergangenen Jahren sehr zu schaffen. Manuela Damm ist die Projektleiterin der Cottbuser Veranstaltungsagentur Coex. "2010 drehte sich plötzlich mitten in der Weihnachtsmarktzeit nichts mehr", erinnert sich Manuela Damm. Das Getriebe musste in Kolkwitz in der Stahl- und Aluminiumbau Schmiede wieder in Gang gebracht werden. Die Pyramide und auch alle Hüttenbauteile liegen etwas über zehn Monate im Jahr in dem großen Lager, dass Coex in Spremberg-Trattendorf hat. Im November, rechtzeitig vor dem Weihnachtsmarkt werden sie hervorgeholt und einer Schönheitskur unterzogen. Wo ein Brett zerbrochen ist, wird es ausgewechselt, neue Planen werden gekauft und in diesem Jahr haben mehrere Hütten neue Lichtleisten bekommen", zählt Manuela Damm auf. Allein am Riesenrad leuchten 15 000 Lämpchen. Im Vorjahr lag der Stromverbrauch des gesamten Weihnachtsmarktes über die vier Wochen bei 154 300 Kilowattstunden. Am höchsten war der Verbrauch mit 50 000 Kilowattstunden auf dem Altmarkt, auch am Platz vor der Heron-Buchhandlung (40 000) und an der Schlosskirche (21 800) und am Parkplatz vor der Post (20 800) war der Verbrauch hoch. Und das werde in diesem Jahr nicht anders sein, denn die Flächen zwischen Spremberger Turm und Altstadt, mit Heron-Vorplatz und Berliner Platz habe sich bewährt. Auch die 700 rund zwei Meter hohe Fichten aus Zeyern in Bayern wurden wieder zur Dekoration geordert. "Die Leute wollen Vertrautes wiederfinden und es nicht suchen müssen", sagt sie. Das schließe aber kleine Neuerungen nicht aus, die nötig werden, wenn Händler abspringen und neue Angebote aufgenommen werden können. "Wir haben in den vergangenen Jahren eine ausgewogene Mischung erreicht. Ich selbst gehe wirklich gern meine Weihnachtsgeschenke auf dem Markt kaufen - das haben die Händler auch einfach verdient, wenn sie hier vier Wochen in der Kälte stehen", sagt Manuela Damm. 180 Verträge - vom Fahrgeschäft über die Glühweinstände bis hin zum Mützenverkäufer - hat Coex diesmal abgeschlossen.

Neu dabei seien zum Beispiel Leberspezialitäten und Kartoffelpuffer. Und da Coex inzwischen Weihnachtsmärkte in Berlin und drei Bundesländern organisiert, ist mit der zeit auch ein großer Erfahrungsschatz gewachsen. "Was in Halberstadt richtig gut funktioniert, kann auch in Reichenbach ausprobiert werden. Und was in Neu-Kölln ankam, ist dann vielleicht auch etwas für Schwedt", so Manuela Damm.Während der Aufbau immer ein paar Tage dauern darf, sobald die Tanne als Zentrum auf den Altmarkt steht, muss der Abbau schneller gehen - "am besten in einer Nacht." Gleich nach dem Markt wird immer ein Fazit gezogen und schon im Mai, so erklärt sie, werden die ersten Verträge für den nächsten Weihnachtsmarkt abgeschlossen. Seit 2000 kümmert sich Coex um den Potsdamer Weihnachtsmarkt, am längsten aber betreut die Mannschaft um Geschäftsführer Eberhard Heieck den Cottbuser Markt - seit 1993 genau.

Start vor 19 Jahren in Cottbus

"Es ist der 19. in diesem Jahr, und im nächsten Jahr haben wir dann ein Jubiläum hier", sagt die 32-jährige Projektleiterin und zuckt schmunzelnd mit den Schultern. Ihr Handy klingelt, sie muss zurück zum Altmarkt und für ein kleines Fahrgeschäft noch einen Platz zwischen Pyramide und Hütten finden. Aber sie bleibt ruhig. Bis zum Abend haben Joachim Krause und die Fachkräfte vom Eigenbetrieb die Pyramide aufgebaut. Dann fährt auch das Kranauto weg. Hase und Igel stehen auf der Märchenetage schon in den Startlöchern.

Eröffnet wird der größte Weihnachtsmarkt der Region am Mittwoch um 14.30 Uhr mit dem Stollenanschnitt auf dem Altmarkt. Bis 23. Dezember soll der Markt die Cottbuser und ihre Gäste von 11 bis 20 Uhr auf Weihnachten einstimmen.