Die Fotos der Schlüsselübergabe sind geschossen, das Polizeiorchester hat seine Blasinstrumente eingepackt - da hockt schon ein Polizist auf dem Parkplatz am Haupteingang vor einem Auto. Vorsichtig streicht er über den Lack, hört dem Bürger zu, lässt sich von ihm andere Schadstellen am Fahrzeug zeigen. Obwohl die Polizeiinspektion offiziell erst am 1. November am neuen Standort startet, finden die Bürger hier schon seit dem 14. Oktober ein offenes Ohr und schalten ihre Anzeigen.

Der erste große Schritt, alle Polizeidienststellen in Cottbus an einem Standort zu konzentrieren, ist geschafft. Die leergezogene Wache in der Tranitzer Straße wird besenrein an den Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen übergeben, einzelne Polizeidienststellen am Bonnaskenplatz und in der Mauerstraße bleiben zunächst erhalten.

Noch einmal 6 Millionen Euro

15 Millionen Euro wurden bisher in das neue Dienstgebäude investiert. Ein zweiter Bauabschnitt ist geplant. Einen genauen Zeitplan gibt es allerdings noch nicht. "Ich bin erst einmal froh, dass die Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski an der Erweiterung festhält", sagt Sven Bogacz, Leiter der Polizeidirektion Süd. Sechs Millionen Euro seien für den weiteren Ausbau eingeplant.

Die Entscheidung, alle Cottbuser Polizeidienststellen an einem Ort zu konzentrieren, war bereits im Jahr 2005 getroffen worden - vor der großen Debatte zur Polizeireform. Im Juni 2009 fand die Grundsteinlegung statt, der Neubau für die 3. Einsatzhundertschaft der Landeseinsatzeinheit stand da schon. Ein Funkmast steht mitten auf dem Innenhof zwischen den Polizeiautos. Die neuen Diensthundezwinger sind angelegt, aber noch nicht bezogen. Die Fahrradstaffel der Polizei wird von hier aus wieder öfter starten, versichert Sven Bogacz.

"Die Cottbuser Fahrradstaffel zu erhalten, war eine meiner Bedingungen. Ich will, dass wir die vier Fahrräder auf sechs aufstocken", erklärt er. In Cottbus gebe es viele Wege, wo man schneller mit dem Fahrrad vorankommt. "Der Polizist auf dem Fahrrad kann seine Umgebung besser wahrnehmen, und er kann den zu Fuß Flüchtenden gut verfolgen", so der Leiter der Polizeidirektion Süd.

Bis 2020 bleibt die Zahl der Streifenwagen stabil, betont Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD). Auch die Zahl der Revierpolizisten - 549 im ganzen Land - solle gehalten werden. "Während Sachsen plant, einen Revierpolizisten für 10 000 Einwohner einzusetzen, werden wir in Brandenburg im ländlichen Raum sogar teilweise ein Verhältnis von 1 zu 4000 unterschreiten", sagt Woidke. Der Durchschnitt in brandenburgischen Städten soll bei 1 zu 7500 liegen.

Mindestens ein Streifenwagen

"Es wird keinen abrupten Abbruch der Polizeipräsenz geben", versichert Bettina Groß, die neue Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße. Forst, Guben und Spremberg behalten demnach ihre ehemaligen Wachen als Revierstandorte. Sie werden von Cottbus aus geführt, und Bettina Groß will Polizisten mit langjähriger Erfahrung als Revierleiter einsetzen. Mindestens ein Streifenwagen wird rund um die Uhr im Revier unterwegs sein, bestätigte sie dem Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU). Für Guben seien es wegen der Grenzkriminalität sogar zwei Streifenwagen. Und so lange der Bürger an der Polizeiwache ankommt und dort keine technische Rufmöglichkeit nach Cottbus vorfindet, werden die ehemaligen Wachen auch rund um die Uhr besetzt sein, verspricht Polizeipräsident Arne Feuring dem Forster Ordnungsamtsleiter Bernd Frommelt.

"Wir wollen über mehrere Monate die Lage beobachten und dann festlegen, welche Besetzung und welche Öffnungszeiten in den jeweiligen Revieren gebraucht werden", sagt Bettina Groß. "Und wir besprechen das vorher mit Ihnen", kündigt Feuring den kommunalen Vertretern an. Denn die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltungen und Polizei, wie sie beispielsweise die Spremberger schätzen, bleibe wichtig. In der kommenden Woche sollen die Ämter, Stadt- und Gemeindeverwaltungen die Telefonnummern ihrer Ansprechpartner bekommen.

Keine Frage, ein Besuch in der neuen Polizeidienststelle in der Juri-Gagarin-Straße lohnt sich. Der Eingangsbereich ist bürgerfreundlich: ein kleiner Tresen, Sitzgelegenheiten und Räume, in denen ungestört eine Anzeige angenommen werden kann. Hinter der verglasten Zentrale mit den Einsatztischen liegen mehrere kleine Schreibstuben.

Kriminalisten rund um die Uhr

Eine Errungenschaft ist der Kriminaldauerdienst. Der Beamte in Bereitschaft muss nicht zu Hause warten und zum Koffer in der Dienststelle sprinten. Jetzt sind immer Kriminalisten in der Inspektion, die sofort mit rausfahren, wenn sie gebraucht werden.

Zum großen Verwahrbereich gehören elf Einzelzellen und sechs Sammelzellen. Eine Aufnahme und ein Raum für den Bereitschaftsarzt liegen gleich nebenan. Sogar ein kleines Lager mit Schuhen und Anzügen hat die Polizei eingerichtet. "Wenn Kleidungsstücke als Beweismittel in frage kommen, haben wir hier Ersatz in allen Größen", sagt Tino Glaser von der Polizeiinspektion. Während bei den Schuhen große Vielfalt für Damen und Herren herrscht, dominieren bei der Kleidung Weiß und Blau. "Gestreift ist aus der Mode gekommen", sagt Tino Glaser mit einem Augenzwinkern.