Selbst zum 60. Geburtstag des Bundespresseballs erbarmte sich die Kanzlerin nicht. Auch die sonstige Berliner Spitzenpolitik schwächelte in diesem Jahr etwas. Vielleicht liegt es an den Wirtschafts- und Regierungskrisen. Zum 50. Ball vor zehn Jahren drängelten sich noch der Kanzler und diverse Parteivorsitzende und Minister an den Buffets.

Jetzt sagten immerhin der Vizekanzler Philipp Rösler (FDP), einige Kabinettskollegen und ein Fraktionschef zu. Die übrigen 2500 Gäste aus Politik, Medien und Wirtschaft wird die Zurückhaltung der Spitzenkräfte am (heutigen) Freitagabend im Berliner Hotel Intercontinental kaum vom Feiern abhalten.

Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina sind als erstes Ehepaar des Staates zum zweiten Mal dabei. Ihr Debüt in dieser Rolle bewältigten sie vor einem Jahr noch etwas förmlich. Über das tanzende Staatsoberhaupt urteilte „Let's Dance“-Juror Joachim Llambi jetzt in der „Berliner Morgenpost“: „Bemüht, aber steif“. Dieses Jahr könnten die Wulffs ihren Auftritt eine Nummer lockerer angehen.

Weitere berühmt-berüchtigte Tänzer fehlen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der Jahr für Jahr mit seiner Tapsigkeit auf dem Parkett kokettierte, sagte ab. Zum Leid der Fotografen musste auch die Grünen-Vorsitzende und Stimmungskanone Claudia Roth – deren Kleid immer wieder wahlweise mit Spannung oder Spott begrüßt wurde – passen. Ein Parteitag ist wichtiger. Die Linken-Fraktion glänzt ebenfalls mit Abwesenheit.

Den weiblichen Part im Bundeskabinett repräsentiert Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Opposition zeigt sich in SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Und zwei Piraten-Politiker könnten die von Grünen und Linken hinterlassenen Lücken stopfen. Passend zum Ball-Motto „Metamorphosen“.

Musikalisch greift der Bundespresseball erneut auf die Jugendzeit seiner Gäste zurück. Diesmal darf eine Dame ans Mikro: Nena.