Was haben die Verbraucherschützer herausgefunden?
Die Analyse von 3500 Anlageprodukten, die sich auf Konten und in Depots von ratsuchenden Verbrauchern befanden, ergab, dass knapp die Hälfte (45 Prozent) für die jeweiligen Kunden unpassend gewesen seien. Jeweils gut die Hälfte dieser "nicht bedarfsgerechten" Anlageprodukte war aus Sicht der Verbraucherzentrale "zu teuer" und/oder warf eine zu geringe Rendite ab - im Vergleich zu anderen Angeboten aus der gleichen Risikoklasse.

Bei den aktuellen 362 Vertragsangeboten, die die Verbraucherzentrale überprüfte, seien sogar fast alle (95 Prozent) nicht im besten Kundeninteresse gewesen. Zu hohe Kosten waren in 87 Prozent der negativ beurteilten Fälle der Grund, mangelnde Flexibilität bei 55 Prozent. Hier waren mehrfache Bewertungen möglich.

Wie kommt es aus Sicht der Verbraucherzentralen zu diesem Ergebnis?
Das Problem liege im System. Die Finanzberatung von Banken, Sparkassen und auch Versicherungsvertretern finanziere sich über Provisionen, die für Kunden meist unsichtbar in den Produkten einkalkuliert seien. Dem Interesse des Kunden an günstigen Produkten stehe das Interesse des Beraters an hohen Provisionen gegenüber. Das Fazit der Finanzmarktexpertin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Dorothea Mohn: "Es gibt bei Anlageprodukten keinen funktionierenden Preis- und Qualitätswettbewerb."

Wie aussagekräftig ist die Studie?
Die Untersuchung stützt sich auf Daten, die Verbraucherzentralen in sieben Bundesländern bei eigenen Beratungsgesprächen von November 2014 bis Oktober 2015 erhoben haben. Sie ist demnach nicht repräsentativ. Grundlage sind Daten, die Ratsuchende den Verbraucherzentralen weitergegeben haben. Völlig zufriedene Kunden und solche, die von ihren Geldanlagen überzeugt sind, dürften damit nicht in dem Zahlenwerk auftauchen.

Wie reagieren Kreditinstitute und Versicherungen auf die Vorwürfe?
Kreditinstitute und Versicherungsbranche halten die Studie für "irreführend". Geldanlagen als "bedarfsgerecht" oder nicht einzuordnen, sei "nicht eindeutig und birgt das Risiko, dass beliebige Ergebnisse erzielt werden", kritisiert die Deutsche Kreditwirtschaft. Repräsentative Erhebungen belegten, dass die Kunden mit der Beratungsleistung von Banken und Sparkassen viel zufriedener seien als behauptet.

Der Versichererverband GDV nennt es realitätsfern, wenn die Verbraucherzentrale "den Bedarf des Verbrauchers nur dann als erfüllt ansieht, wenn das gewählte Produkt auch gleichzeitig das ,bestmögliche‘ am Markt verfügbare ist".

Welche Schlüsse ziehen die Verbraucherschützer?
Die diversen Gesetze, die für die unterschiedlichen Anlageformen gelten, müssen nach Ansicht der Marktwächter im Sinne der Anleger verschärft und vor allem vereinheitlicht werden. Ziel müsse sein, Produktverkauf und Finanzberatung klar zu trennen, sagt Finanzmarkt-Expertin Mohn.