Zwar brachte er die Antwort zu keiner Zeit auf eine klare Kurzformel, vielmehr überließ er es den zahlreichen Zuhörern, selbst darauf zu kommen. Die lauschten wohl gerade deshalb mit großem Gewinn dem Vortrag des früheren Gymnasiallehrers, der vom Branitzer Historiker Volkmar Herold als "der Winkelmann-Experte in Deutschland" angekündigt worden war.

Klaus-Werner Haupt, Autor des Sachbuchs "Die zwei Federn des Johann Winkelmann. Oder: Wer sein Glück erkennt und nutzt, der ist es wert!", hat die Zuhörer mit dem Altertumsforscher und seiner Formel von "edler Einfalt und stiller Größe" konfrontiert. Wobei, so Haupt, edle Einfalt für Verständlichkeit und stille Größe für die Geisteshaltung stehe. Während der von zahlreichen Fotos untermalten fiktiven Reise durch die Landschaftsparks von Wörlitz, Weimar und Branitz tauchten immer wieder Darstellungen der Venus als ein Symbol von Schönheit auf.

Unter den weiblichen Gottheiten, so hatte es Winkelmann formuliert, sei nur die Venus unbekleidet. Haupt erläuterte den Typ der schamhaften Venus ebenso wie den der Kapitolinischen Venus oder der Venus von Medici. Eine Kopie von Letzterer kann im Wörlitzer Schloss betrachtet werden.

Auch in Schloss Tiefurt an der Ilm, wo eine Kopie der Venus mit der Muschel zu bestaunen ist, sei die griechisch-römische Antike allgegenwärtig. "Tiefurt ist noch immer ein Geheimtipp", stellte der Autor fest.

Was den Fürsten Pückler angeht, so sei seine Bestimmung gewesen, in Sandwüsten Oasen anzulegen. Die Venus von Medici habe ihn inspiriert, eine ähnliche Schönheit in Branitz aufzustellen. Sie war das Vorbild für seine Venus Italica, die seit dem Jahr 1996 wieder an ihrem angestammten Platz vor dem Branitzer Schloss steht. Während die Venus von Capua als Sinnbild der siegreichen Venus ihren Platz auf der Branitzer Schlosssee-Insel im Jahr 2000 zurückerobert hat. Fürst Hermann von Pückler-Muskau hatte sie im Jahr 1848 dort aufstellen lassen.

Einer Antwort zu der im Vortragstitel formulierten Frage kommt vielleicht jene Feststellung des Autors am nächsten: "Die ästhetische Schönheit des Frauenkörpers war die Wiedergeburt der Antike."