Frau Schaal, wie wichtig ist es für Hinterbliebene, dass die sterblichen Überreste ihres Angehörigen in die Heimat zurückkommen?
Das ist sehr wichtig. Es verdeutlicht die Realität des Verlustes und kann somit den Trauerprozess erleichtern. Es kann die Akzeptanz des Verlustes fördern und eine innere Ruhe mit sich bringen.

Es ist also ein Zwischenschritt?
Ja, es ist ein Zwischenschritt. Es gibt den Angehörigen die Sicherheit: Wenn sie die Särge sehen, können sie begreifen, da ist mein Kind oder mein geliebter Mensch drin.

Was bedeutet die anschließende Beerdigung?
Der gemeinschaftliche Akt ist sehr wichtig: Abschied zu nehmen, zu realisieren, der Mensch ist tot, und die Unterstützung der anderen Personen zu sehen. Ich bin nicht alleine. Das macht es nicht ungeschehen. Aber es ist eine gewisse Erleichterung. Auch gibt ihnen die Grabstätte einen Ort, wo sie trauern können.

Kommen Eltern überhaupt über den Verlust eines Kindes hinweg?
Der Verlust eines Kindes ist besonders schwer zu verkraften. Nicht nur, dass die Trauerreaktion stärker ist, sie hält auch länger an. Die Personen sind oft schwerer therapierbar. Beim Verlust eines Kindes, wenn also die Generationenfolge verletzt wird, gibt es Fälle, die nie darüber hinwegkommen.

Das heißt, es muss jahrelang therapiert werden?
Nein. Trauerreaktionen, die weniger als ein Jahr anhalten, können als normaler Prozess verstanden werden. Es wird in der Regel noch keine Diagnose gestellt. Wenn die Symptome allerdings zu lange anhalten und zu stark sind, dann muss überlegt werden, ob eine Therapie angeboten wird.

Spielt die Art und Weise des Todes dabei eine Rolle?
Bei diesem gewaltsamen Verlust, diesem erweiterten Mord, wo Emotionen wie Wut und Schuld eine Rolle spielen, sollte man bedenken, dass sie besonders schwer zu verarbeiten sind.

Mit Susanne Schaal

sprach Wolfgang Dahlmann

Zum Thema:
Susanne Schaal ist psychologische Psychotherapeutin in Süddeutschland. Sie hat als Privatdozentin am Zentrum für Psychotraumatologie der Universität Konstanz und zuletzt in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Ulm gearbeitet.