So schnell wie geplant ging es dann doch nicht. Das Landgericht Görlitz, Außenkammer Bautzen, hatte für den Montag, den sechsten Verhandlungstag im Prozess gegen eine deutsch-polnische Autoschieberbande, schon die Urteilsverkündung "nach kurzer Beweisaufnahme" angekündigt. Letztere zog sich dann aber in die Länge, sodass den fünf Angeklagten ein weiterer Verhandlungstermin bevorsteht.

Hauptakteurin des Tages war die Feder führend an den Ermittlungen beteiligte Hauptkommissarin L. vom Landeskriminalamt Sachsen, die als Zeugin zu den einzelnen Taten aussagte. Dabei gewährte sie Einblicke in die Art und Weise, wie die Gruppe zusammenarbeitete: Die deutschen Beteiligten - in erster Linie Henryk M., Janot A. und Sebastian W. aus Hoyerswerda und Elsterwerda - waren für das Auskundschaften lohnender Ziele zuständig. In "einfacheren" Fällen führten sie den Diebstahl selbst aus und brachten die Beute im Konvoi nach Polen, wo sie Maciej B. erwartete. Erschien die Sache komplizierter, nahm das polnische Bandenoberhaupt zusammen mit Komplizen die Sache selbst in die Hand.

Ein Beispiel ihrer Dreistigkeit lieferte die Bande vom 24. bis 26. Februar des vergangenen Jahres, als sie eine in Insolvenz befindliche Firma in Elsterheide (Kreis Bautzen) über mehrere Tage komplett leer räumte. Henryk M. hatte selbst einmal dort gearbeitet und kannte sich entsprechend gut aus.

Zunächst verluden die Täter einen Stahlblechschrank, in dem sie die Fahrzeugschlüssel vermuteten, auf einen Transporter und fuhren ihn zu einer Garage in Hoyerswerda. Allerdings enthielt der Schrank nicht das Gewünschte. Zurück in Elsterheide, wurden die Bandenmitglieder dann doch noch fündig und entwendeten sechs Pkw der Marken VW, Skoda und Nissan sowie Computertechnik und Baugerät.

Am 11. und 12. März schlug die Bande in Hoyerswerda zu, wo sie in einem Firmengelände einen Anhänger mit aufgeladenem Bagger stahl. "Ein bis zwei Wochen lang hatten sie zuvor geeignete Ziele in der Stadt aufgeklärt", so die Kriminalistin L. Der Schaden belief sich auf 33 000 Euro. Da mit GPS ausgestattet, konnte der Bagger wiedergefunden werden. Auch in Hoyerswerda klaute die Bande mehrere Motorräder aus einer Garage, verlud sie auf einen gemieteten Anhänger und fuhr sie nach Polen. Dabei nutzten sie den Berufsverkehr in den Morgenstunden, um weniger aufzufallen.

Dies sind nur einige Beispiele. "Die Abstände zwischen den Taten wurden immer geringer, die Täter gingen immer skrupelloser vor", so Hauptkommissarin L.