Petra Schmucker, Juristin des Automobilclubs AvD, erläutert die Masche: "Mittlerweile gibt es Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, widerrechtlich geparkte Fahrzeuge von Privatparkplätzen - etwa von Supermarkt- oder Krankenhausparkplätzen - zu entfernen. Den Besitzern der Fahrzeuge werden dann hohe Rechnungen präsentiert. Die Unternehmen bestehen meist auf Sofortzahlung und drohen bei Nicht-Entrichtung mit der Einbehaltung des abgeschleppten Fahrzeugs." Inzwischen versuchen immer mehr abkassierte Autofahrer, gegen die Abschlepp-Abzocke vorzugehen. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits, inwieweit der Tatbestand der Nötigung vorliegt. Petra Schmucker rät Betroffenen, die Zahlung zunächst nur unter Vorbehalt zu leisten. Dies sollte auch schriftlich festgehalten werden. Erscheine der Rechnungsbetrag unverhältnismäßig hoch, könne man diesen gerichtlich überprüfen lassen. Zwar haben Gerichte den Besitzern von Privatparkplätzen in vielen Fällen den Ersatz der Abschleppkosten zugesprochen, jedoch gehören überzogene oder zusätzliche Gebühren für Parkraumbewirtschaftungs-Firmen nach Ansicht des AvD nicht zu den zu ersetzenden Abschleppkosten und könnten dem Falschparker deshalb auch nicht aufgebürdet werden.Zunächst in Vorleistung"Generell ist es erlaubt, Falschparker von Privatgrundstücken zu entfernen", erläutert Rechtsanwalt Michael Winter. "Allerdings muss der Grundstückseigentümer mit den Kosten in Vorleistung treten und sich diese später in einem Rechtsstreit zurückholen." Wird eine Ausfahrt oder ein Stellplatz blockiert, darf der Grundstücksbesitzer das falsch geparkte Fahrzeug abschleppen lassen (Paragraf 859 BGB). Umstritten ist jedoch, ob die Abschleppkosten in jedem Fall vom Autofahrer verlangt werden können. So wies die 1. Zivilkammer des Landgerichts Magdeburg die Klage eines Autofahrers auf Rückerstattung der Abschleppkosten zurück. Der Privatparkplatzbesitzer sei berechtigt, ein Abschleppunternehmen mit der Parkplatzüberwachung zu beauftragen. Die 2. Zivilkammer desselben Gerichts entschied hingegen genau entgegengesetzt. Nun ist der Bundesgerichtshof eingeschaltet. "Bis die Frage höchstrichterlich geklärt ist, bewegen sich also Firmen, deren einziger Geschäftszweck es ist, mit Falschparkern Geld zu verdienen, in einer rechtlichen Grauzone", sagt Schmucker.Besser richtig parkenUm gar nicht erst in die Situation zu kommen, über Abschleppkosten streiten zu müssen, empfiehlt die Juristin, beim Parken aufmerksamer zu sein. Autofahrer sollten sich immer davon überzeugen, dass sie nicht auf Privatgrundstücken oder auf für Kunden reservierten Parkplätzen stehen. Im öffentlichen Verkehrsraum drohen Falschparkern neben den Abschleppkosten Bußgelder von bis zu 35 Euro. Wurde ein Rettungsfahrzeug im Einsatz behindert, können bis zu 50 Euro Geldbuße und ein Punkt in Flensburg verhängt werden."Polizisten und kommunale Ordnungshüter müssen - wenn sie das Abschleppen anordnen - den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachten", erklärt Rechtsexpertin Schmucker. "Bestehen daran Zweifel, kann man gegen den Kostenbescheid Widerspruch einlegen." Parkt allerdings ein Auto unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz oder in einer Feuerwehrzufahrt, besteht wenig Hoffnung, mit einem Knöllchen davonzukommen. Abgeschleppt werden darf auch, wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet sind. Bei Behinderungen ist vor Ort zu prüfen, ob abgeschleppt werden darf oder nur die Geldbuße erhöht wird.