Jahrelang baut ein Arzt an einem Bunker neben seinem Haus in der südschwedischen Provinz Schonen. Schalldicht soll er sein, damit keine Schreie nach außen dringen können. Drinnen stehen ein karges Bett, ein Tisch, zwei Stühle, ein Kühlschrank. Hier ist eine junge Schwedin im September fast eine Woche lang eingesperrt. Der 38-Jährige will sie zu seiner Lebensgefährtin machen, Sex mit ihr haben. Es sollten Jahre werden, so der Plan. Ein unheimliches Verbrechen, wie es sich laut Anklage in Schweden abgespielt haben soll. Seit Montag steht der Mediziner in Stockholm vor Gericht.

Ganz entspannt wirkt der Mann, der in einem kornblumenblauen Pullover zum Auftakt des Prozesses erscheint. Neugierig sieht er sich im Gerichtssaal um. Die junge Frau dagegen hat einen Schal um ihren Kopf geschlungen, um ihr Gesicht zu verhüllen. Seiner Mandantin gehe es schlecht, es mache ihr Angst, ihren Peiniger wiedersehen zu müssen, hatte der Anwalt der Schwedin vor der Verhandlung erklärt. Als der Staatsanwalt vorliest, wie sich die Tat abgespielt haben soll, muss man ihr Taschentücher reichen.

Erdbeeren und eine Autofahrt. Daran kann sich die Schwedin laut der Zeitung "Dagens Nyheter" schwach erinnern, als sie in dem Bunker in Südschweden aufwacht. Zuvor hatte sie sich in ihrer Wohnung in Stockholm zum Date mit dem Mediziner getroffen, den sein Chef als "guten und beliebten" Arzt beschreibt. Die Erdbeeren soll er - neben Champagner - dabei gehabt haben, einige der Früchte mit einem Schlafmittel versehen, das die Schwedin außer Gefecht gesetzt haben soll. In seinem Auto fährt er mit ihr nach Schonen.

"Er hat sich bemüht, der Frau nicht mehr wehzutun als notwendig", sagt Verteidigerin Mari Schaub laut "Dagens Nyheter". "Andere hätten das Opfer vielleicht niedergeschlagen, es gefesselt und in den Kofferraum gelegt. Aber mein Klient hat Empathie, er ist kein Psychopath." Dass er weitere Frauen entführen wollte, bestreitet der Arzt vor Gericht - genau wie die Behauptung sein Opfer missbraucht zu haben. "Er hat gesagt, dass er sich manchmal gewünscht hat, Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben", sagt Schaub. Getan habe er ihr nach eigener Aussage nichts.

Die Anklage sieht das anders. Als die junge Frau bewusstlos war, soll der Arzt sie vergewaltigt haben. Um auszuschließen, dass sie ansteckende Krankheiten habe, soll er Urinproben in dem Krankenhaus eingereicht haben, in dem er arbeitete. "Er war die ganze Zeit unheimlich ruhig", sagte das Opfer " der Polizei. "Ich wusste nicht, was passieren würde - ob er mich töten, foltern oder vergewaltigen würde." Zwei bis drei Mal am Tag sollten sie künftig ungeschützten Sex haben, habe ihr Entführer ihr gesagt.

Laut seiner Verteidigerin wollte der Arzt "jemanden finden, mit dem er zusammenleben konnte". Doch er geht mit der Frau zur Polizei. "Als ihm klar wurde, dass sie von ihren Angehörigen vermisst wird, hat er sie freigelassen, aber er hoffte, dass sie bei ihm bleiben wollen würde", sagt Mari Schaub. "Sie war seine Traumfrau."

Für die junge Frau ist kaum zu ertragen, sich den Horror der Gefangenschaft noch einmal ins Bewusstsein zu rufen. Sie ist im Gerichtssaal zusammengebrochen.