An diesem Freitag wird der Ex-Kommunarde 75 Jahre alt. "Ich habe die sexuelle Revolution ausgerufen, gelebt, ja. In Wirklichkeit habe ich aber eine sehr viel größere Revolution gezeigt und gelebt - aber niemand verstand das", so Langhans. Es gehe nicht um Sex - der sei sogar ein Hindernis auf dem Weg zum Glück und verhindere Liebe. Als erstes von vier Kindern wurde Langhans in Oschersleben bei Magdeburg geboren. Nach der Bundeswehr. Später studierte er in Berlin Jura und Psychologie, ohne Abschluss. Im "Argumentclub" und im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) fand er Gleichgesinnte. "Dann plötzlich waren alle so wie ich, und ich war erlöst aus dem Unglück meiner Jugend." Er wurde Mitbegründer der "Kommune 1". Frauen, Männer und Kinder lebten dort zusammen, ließen sich gemeinsam nackt fotografieren. Sie diskutierten, feierten, liebten - ein Gegenentwurf und Bürgerschreck.

Sie wandten sich gegen die Nazi-Generation, den Schah und den Vietnam-Krieg. Ihre frechen, kreativen Aktionen wie das gescheiterte Pudding-Attentat auf US-Vizepräsident Hubert H. Humphrey machten Schlagzeilen. Die Kommune galt als eine Keimzelle der 68er-Revolte.

Seit Jahrzehnten lebt Langhans in München, mit vier Frauen in einem Netzwerk. Von den Medien "Harem" genannt, wirkt es eher wie eine Art Klostergemeinschaft. Meditation gehört zum Tagesablauf, etwas Sport, Spaziergänge. Vor allem sucht die Gruppe innere Entwicklung. Es gibt nicht nur geistige Höhen, sondern auch menschliche Abgründe: Zickenkrieg. Mit vielen Ex-Kommunarden liegt Langhans im Clinch. Der Slogan "Das Private ist politisch" gilt für ihn weiter, demnach sei er ein hochpolitischer Mensch. Die Chance auf Weltfrieden sieht er nicht mehr in Kommunen, sondern in Communitys im Internet. "Die Leute sind da drin zum ersten Mal in einem großen Umfang miteinander freundlich. 1,3 Milliarden Freunde, das gab es noch nie in der menschlichen Geschichte."