Wer hätte den Berlinern das noch zugetraut? Der Wiederaufbau des Stadtschlosses liegt nach Auskunft der Verantwortlichen voll im Kosten- und Zeitplan. Heute ist Richtfest - auf den Tag genau zwei Jahre nach der Grundsteinlegung. Nach dem Debakel um den Hauptstadtflughafen, nach der Kostenexplosion bei der Staatsoper und der Hängepartie um das Einheitsdenkmal eine selten gute Nachricht.

"Deutschland hat als einzige Nation der Welt die historische Chance, den zentralen Platz der Republik zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu zu definieren", sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in einem Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum Richtfest. Unter dem Namen Humboldtforum soll das rekonstruierte Schloss von 2019 an ein Kunst- und Kulturzentrum werden - ein Ort für den "Dialog der Kulturen der Welt". Der italienische Architekt Franco Stella spricht gar von den "Uffizien von Berlin". Vorbild ist das Centre Pompidou in Paris. In atemberaubendem Tempo haben Bauarbeiter auf dem Schlossplatz einen gigantischen Betonklotz hochgezogen. Die Fassaden sind noch grau und nackt, aber im Inneren lassen die riesigen Räume und die faszinierenden Sichtachsen bereits ahnen, dass hier nicht gekleckert wird. 590 Millionen Euro soll das ambitionierteste Kulturprojekt Deutschlands kosten. Den Löwenanteil trägt der Bund, rund 105 Millionen Euro für die barocken Fassaden und den Schmuck der Kuppel müssen durch Spenden hereinkommen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das Geld bis 2019 zusammenhaben", sagt Bauherr Manfred Rettig. Zum Richtfest am heutigen Freitag ist auf der Baustelle ein abendliches Konzert mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin geplant. Am Samstag und Sonntag gibt es einen Tag der Offenen Tür.