Als Ruth Maria Kubitschek 80 wurde, war für eine Party keine Zeit. Drehtermine, Buchlesungen, Ausstellungen - der Terminkalender der Grande Dame des deutschen Fernsehfilms war übervoll. Inzwischen ist ihr Leben ruhiger geworden. Heute wird das "Spatzl" aus der Evergreen-Kultserie "Monaco Franze" 85. "Und diesmal wird mit der Familie wirklich gefeiert, darauf freue ich mich sehr", sagt sie.

Ort der Handlung ist Kubitscheks Anwesen samt "Garten der Aphrodite" in Salenstein auf der Schweizer Seite des Bodensees. Einer der schönsten Flecken Europas.

Für die Schauspielerin, Buchautorin und Malerin aber auch ein Ort stiller Trauerarbeit: "Ich versuche immer noch, mich von dem Verlust von Wolfgang Rademann zu erholen", berichtet sie. Ihr Lebensgefährte, Schöpfer von Erfolgsserien wie "Das Traumschiff" und "Die Schwarzwaldklinik", war am 31. Januar mit 81 Jahren gestorben. "Das kann man nicht in drei Monaten wegschieben." Trost findet die vielseitige Künstlerin neben dem Malen in der Beschäftigung mit einem neuen literarischen Projekt, für das sie wegen der langen Krankheit Rademanns nicht die Zeit und Kraft gefunden hatte. Dass es in ihrem neuen Buch wieder um große Fragen des Lebens gehen könnte, lässt sich ahnen. Jedoch will sie vorerst weder Titel noch Thema verraten. Fans der "Kubi" würden sich wohl über weitere Schmunzel-Details aus ihrem reichen Künstlerinnenleben freuen. 2014 hatte sie in "Liebeserklärung an die Natur" unter anderem von einer Begegnung mit Gina Lollobrigida vor etlichen Jahren in Salzburg berichtet. Dabei habe die Italienerin anfangs Kubitscheks Sohn Alexander zur allgemeinen Erheiterung für ihren Liebhaber gehalten. 2014 war auch das Jahr, in dem Kubitschek sich aus dem Film- und Fernsehgeschäft zurückzog und den Schlussstrich unter eine der aufregendsten Filmkarrieren Deutschlands zog. Hat sie das je bereut? Am Anfang sei ihr der Rückzug von einem Leben mit eiserner Termin- und Studiodisziplin durchaus manchmal schwer gefallen, berichtet Kubitschek am Telefon.

Aber heute sei sie froh, alles mit großer Gelassenheit angehen und "mit Publikumsaugen" Fernsehfilme verfolgen zu können. Jegliches Konkurrenzdenken sei verflogen. "Ich freue mich, wenn eine gut ist. Ich schaue mir die Abendkleider an und wie sie alle über den roten Teppich rutschen, und ich muss das nicht mehr, das ist wunderbar."

Das ist freilich die Souveränität einer großen Künstlerin, die Deutschlands TV-Publikum über viele Jahre begeistert hat. Besonders als "Spatzl" ist sie heute noch berühmt. Wie Kubitschek 1983 in der ARD-Serie "Monaco Franze - Der ewige Stenz" (Regie: Helmut Dietl) ihrem umtriebigen Film-Ehemann Helmut Fischer immer wieder alle Eskapaden verzieh, wenn der seinen treuherzigen Dackelblick auflegte, war einfach Spitze.