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Deutschland sorgt sich um seine Daten

Berlin. Jeder zweite Nutzer in Deutschland wurde in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Online-Betrug oder Computerviren. Um sich vor den vielfältigen Gefahren im Netz zu schützen, verwenden inzwischen immer mehr Menschen spezielle Sicherheitsprogramme. Alexander Stallmann

Die NSA-Affäre scheint das Sicherheitsempfinden der Nutzer in Deutschland erschüttert zu haben. Im Jahr 2011, zwei Jahre vor den Enthüllungen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, hielten 45 Prozent der Internetnutzer ihre Daten für sicher. Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom glaubten im Jahr 2014 nur noch 14 Prozent der Anwender, dass ihre Nachrichten, Bilder und Dokumente im Netz gut geschützt sind.

Langsam scheint sich das Vertrauen in die Datensicherheit jedoch zu erholen. Laut Bitkom gehen zurzeit 23 Prozent der Nutzer davon aus, dass ihre persönlichen Daten im Internet sicher sind. Das liegt womöglich jedoch auch daran, dass sie sich verstärkt um den Schutz ihrer Privatspähre und Daten bemühen. Laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage unter 1017 Internetnutzern verschlüsselt inzwischen jeder Fünfte seine E-Mails. Im Jahr 2013 hätten das nur sechs Prozent getan. 14 Prozent der Befragten verschlüsselten zudem Dateien auf ihren Festplatten. Auch das sind deutlich mehr als 2013 (acht Prozent).

Jeder Dritte der Befragten nutzt einen sogenannten Passwort-Safe. Mit einem solchen Programm können Zugangsdaten für mehrere Dienste zentral verwaltet werden. Die Kennwörter werden im Passwort-Safe verschlüsselt abgelegt. Wer sich auf einer Webseite anmelden will, muss sein Master-Passwort angeben. Das Programm übernimmt dann die Anmeldung. 2013 verwendeten nur 19 Prozent der Befragten einen Passwort-Safe.

Außerdem verwende jeder fünfte Nutzer in Deutschland sogenannte Anonymisierungsdienste wie beispielsweise den Browser "Tor". Bei dieser Software wird im Gegensatz zu gängigen Browsern wie etwa Google Chrome keine direkte Verbindung vom eigenen Computer zum Server des Webseitenanbieters hergestellt. Die Daten werden über mehrere Server verschickt, von denen jeder nur den Vorgänger und Nachfolger kennt. Nutzer und Seitenanbieter bleiben somit anonym.

Dass die Vorsichtsmaßnahmen ihre Berechtigung haben, zeigen weitere Ergebnisse der Bitkom-Umfrage. Jeder zweite Nutzer sei in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Internet-Kriminalität geworden. Die Hälfte der Betroffenen habe einen finanziellen Schaden erlitten, unter anderem weil Hard- und Software ersetzt werden musste. Jeder Vierte habe angegeben, dass seine Zugangsdaten bei einem Online-Dienst ausspioniert wurden. Bei neun Prozent der Befragten seien unerwünschte Mails im Namen des Nutzers versendet worden.