An deutschen Transplantationszentren sind zwischen 2010 und 2012 zum Teil systematisch Patientendaten manipuliert worden, um schneller an Spenderorgane zu kommen. Ärzte hätten unter anderem Medikamente verabreicht, um Patienten kränker erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich waren. Das geht aus dem Jahresbericht 2014/2015 der Prüfungskommission und der Überwachungskommission für Transplantationen hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach gab es beim Deutschen Herzzentrum Berlin sowie der Herzchirurgischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München - Campus Großhadern - "systematische Manipulationen und Auffälligkeiten". An den Universitätskliniken Heidelberg, Jena und Köln-Lindenthal seien in der Prüfperiode "systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen" festgestellt worden.

Nach Bekanntwerden des Transplantationsskandals 2012 ließ die Bereitschaft in der Bevölkerung spürbar nach, einen Spenderausweis auszufüllen. Erste Hinweise gab es damals in Göttingen, Regensburg und Leipzig, wo ebenfalls Patientendaten manipuliert wurden, um schneller an Organe zu kommen.

Seither werden die Transplantationszentren schärfer kontrolliert. Träger von Überwachungskommission und Prüfungskommission sind die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Ärzteschaft ist intensiv bemüht, den Vertrauensverlust wieder wettzumachen.

Finanzielle Vorteile der Ärzte waren in keinem der Fälle die Motivation zur Manipulation. Auch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass privat versicherte Patienten bevorzugt behandelt wurden. Die Ärzte könnten möglicherweise die Absicht verfolgt haben, die Zahl der Transplantationen in ihrer Klinik zu steigern und damit deren Bedeutung zu erhöhen, erklärte sie. Oder sie wollten einfach ihre Patienten retten.