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| 07:24 Uhr

Fed-Cup-Team unterliegt Tschechien
Chance vertan

Stuttgart. Im Halbfinale des Fed Cups sind die deutschen Tennis-Damen sang- und klanglos an Tschechien gescheitert. Die Pleite fällt mitten in die Aufbruchstimmung im Verband. Gianni Costa

Im Halbfinale des Fed Cups sind die deutschen Tennis-Damen sang- und klanglos an Tschechien gescheitert. Die Pleite fällt mitten in die Aufbruchstimmung im Verband.

Die deutsche Auswahl wurde in den vergangenen Jahren hochgelobt. Exzellente Akteurinnen, hohe individuelle Klasse. Eine sogenannte "Goldene Generation" wachse da heran. Der Ertrag als Kollektiv ist indes ernüchternd, gemessen an den eigenen Ansprüchen: Auch in diesem Jahr spielt die Auswahl des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) nicht um den Gewinn des Fed Cups mit. Im Halbfinale des traditionsreichen Wettbewerbs war mal wieder Endstation - die Tschechinnen setzten sich in Stuttgart 4:1 durch, die Entscheidung war bereits vor dem abschließenden Doppel gefallen. Petra Kvitova hatte Angelique Kerber recht eindrucksvoll deren aktuelle Grenzen aufgezeigt. Wie bereits im Finale vor vier Jahren machten die Tschechinnen kurzen Prozess.

Ein Titelgewinn gelang dem DTB im Wettbewerb der Damen zuletzt 1992. Damals standen im Aufgebot von Bundestrainer Klaus Hofsäß die Damen Stefanie Graf, Anke Huber, Sabine Hack und Barbara Rittner. Die im Einzel eingesetzten Graf und Huber waren in ihrer spielerischen Klasse überragend. 2018 empfanden es viele an der Zeit, dass Kerber, Julia Görges, Tajana Maria und Anna-Lena Grönefeld den entscheidenden Schritt gehen könnten. Kerber und zuletzt auch wieder Görges haben auf der Profitour nachhaltig bewiesen, dass sie mit der internationalen Konkurrenz mehr als mithalten können. Und sie haben mit ihren Erfolgen für eine zarte Renaissance der Sportart in Deutschland gesorgt. Zumindest ist das Tennis nicht komplett von der Bildfläche verschwunden. Viel fehlt indes nicht - die Begegnung gegen Tschechien wurde lediglich im Internet übertragen. Sicherlich nicht zu verachten, aber besonders viele ältere Zuschauer dürften über diesen Weg ausgeschlossen worden sein.

Das Duell mit Tschechien hatten die deutschen Damen dabei bereits am ersten Tag verloren. Kerber und Görges haben sich sang und klanglos ihrem sportlichen Schicksal ergeben und damit wenig Zuversicht verbreitet, dass es in den anschließenden Partien doch noch zu einer Wende hätte kommen können. Tatsächlich war noch einmal etwas Hoffnung aufgekommen, nachdem Görges ihre langjährige Doppelpartnerin Karolina Pliskova in zwei Sätzen (6:4, 6:2) besiegt hatte. Ein Umstand, den Kvitova durchaus zum Nachdenken verleitete. "Ich war schon nervös bei den ersten Ballwechseln. Mir war klar, dass ich nun enorm unter Druck stand", sagte die 28-Jährige.

Dummerweise gingen wohl auch Kerber Gedanken durch den Kopf, dass plötzlich wieder etwas drin sein könnte. Doch Kerber konnte das in Stuttgart nicht in Energie verwandeln, es klebte wie Ballast an jedem ihrer Schläge. Sie bewegte sich noch nicht einmal schlecht, aber Kvitova war schlichtweg mit deutlich mehr Entschlossenheit bei der Sache. Nach nur 58 Minuten war die abermalige Niederlage gegen die Seriensiegerinnen aus Tschechien, die seit 2011 den Fed Cup dominieren (siehe Infobox), besiegelt. "Wir wissen alle, dass das eine Chance war", bekundete Kerber. "Es geht nur noch besser. Ich habe heute und gestern alles gegeben. Wir haben immer noch das Ziel, den Titel zu holen. Wir hoffen immer noch, dass das eines Tages in Erfüllung geht."

Diese Tage von Stuttgart sollten eigentlich die Aufbruchstimmung innerhalb des Verbands unterstützen. Der DTB hat sich neu aufgestellt. Die langjährige Bundestrainerin Barbara Rittner wurde als Head of Women's Tennis installiert. Jens Gerlach hat die Aufgabe als Teamchef übernommen - und aus dem Umfeld der Mannschaft ist zu vernehmen, dass alle mit der neuen Aufteilung zufrieden sind. Auch wenn es sportlich hätte durchaus besser laufen können. Nach außen jedenfalls waren alle eifrig darum bemüht, Harmonie zu demonstrieren. Ein Rückschlag, so die Botschaft, könne nicht überdecken, dass man auf einem guten Weg sei.

Das Publikum in Stuttgart unterstützte die deutschen Spielerinnen selbst noch mit aufbauendem Applaus, als Görges im bedeutungslosen Doppel nach dem ersten verlorenen Satz aufgab, weil sie ihre Bauchmuskulatur spürte und kein Risiko eingehen wollte - die Zuschauer hatten vermutlich Mitleid mit dem deutschen Team und wollten ihm eine weitere Vorführung ersparen.

Beim DTB ist man weiter zuversichtlich, auf dem richtigen Weg zu sein. Mindestens so wichtig, wie die intensive Betreuung der Spitzenkräfte, wird derzeit die Ausbildung von neuen Talenten genommen. Diese Aufgabe hat innerhalb des Verbands deutlich an Gewicht gewonnen. Dirk Hordorff, im DTB-Vorstand für den Sport zuständig, hat nicht nur den Blick auf den unmittelbaren Ertrag, sondern investiert viel Personal und damit auch finanzielle Mittel in sogenannte Zukunftsprojekte. In der durchaus wechselhaften Geschichte des deutschen Tennis ist das eine durchaus vermeldenswerte Notiz.