Es war das Duell des Senkrechtstarters gegen die Aufstiegsaspiranten, das Duell um die Oberliga-Handball-Hoheit an der Spree und das Duell der bisher Unbesiegbaren. „Lübbenau und Cottbus treffen sich wieder mal auf Augenhöhe“, erinnerte Hallensprecher Wilfried Domke an frühere Bezirksliga-Begegnungen. Über 500 Zuschauer wollten die Partie sehen, darunter Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos). „Ich hätte nichts gegen einen Sieg unserer Jungs und ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk einzuwenden“, sagte der Jubilar, der am Vortag seinen 50. Geburtstag feierte. „Zufrieden bin ich aber auch über ein schönes und faires Handballspiel“, so das Stadtoberhaupt.

Obwohl Marco Schelletter, Bruder des TSG-Trainers Silvio Schelletter, die Mannschaft beim Abschlusstraining beobachtete, wollte der Lübbenauer vor Anpfiff keine Prognose wagen. „Es wird sich zeigen, ob die Cottbuser Mittel finden, unseren Abwehrriegel zu durchbrechen und ob unsere Jungs in der Lage sind, dagegenzuhalten“, bemerkte er. Die Fans erlebten eine ausgeglichene erste Halbzeit aber auch ein häufigeres Anfordern von Lübbenauer Nachwuchshandballern, die mittels Wischmopp ständig für ein trockenes Parkett sorgten. „Das war schon extrem, so oft müssen wir sonst nie raus“, resümierte Laura Nolde. Wie die 13-Jährige und ihre helfende Gefährtin Vanessa berichteten, ist das „Wischkommando“ extra für diese Partie mit Henry und Marvin personell verstärkt worden.

Eine durchdachte Entscheidung, wie sich in Hälfte zwei herausstellen sollte. Konsequent kämpften Lübbenauer und Cottbuser Handballer um Spielanteile und jeden Quadratmeter Hallenbelag. Wobei am Boden liegende Cottbuser nicht selten als „Schauspieler“ beschimpft wurden. „Wer von den beiden“, konterte ein erboster LHC-Fan, als sich Spieler aus beiden Mannschaften vor Schmerzen am Boden krümmten. „Das sind keine Fans“, beklagten sich Lukas Müller und Tyll Schmidtke über gelegentlich aus dem Lübbenauer Block entsendete Fäkalausdrücke. Für die beiden aus Cottbus angereisten LHC-Fans schien die Handballwelt fünf Minuten vor Abpfiff noch in Ordnung. Als jedoch der respektable Cottbuser Torvorsprung bis auf einen Treffer schrumpfte, hielt es keinen im Publikum mehr auf den Sitzen. Ein Jubelorkan ließ die Blau-Gelb-Arena erbeben, als der TSG in den Schlusssekunden der nicht mehr für möglich gehaltene aber verdiente Ausgleichstreffer zum 32:32 gelang.

Mit stehenden Ovationen bedankten sich Fans und Mannschaft gegenseitig für die gelungene Mission: Verteidigung der Tabellenführung. „Mit dem Ausgleich in letzter Sekunde empfinde ich die Punkteteilung als gefühlten Sieg“, jubelte TSG-Torgarant René Sewald. Marco Schelletter attestierte beiden Teams unbedingten Siegeswillen, während Wilfried Domke von einem leistungsgerechten Remis sprach: „Es war das Duell auf Augenhöhe“, fasste der Hallensprecher das Lausitz-Derby zusammen, das sich als Wettkampfkrimi und Werbung für den Handball erwies.