Er bietet gemeinsam mit Studenten der FH Lausitz ein Projekt an, dass Teenager über die Risiken von Alkoholkonsum aufklären soll. „Mitmachen können aller Schulen, unser Angebot ist kostenfrei“, so Bernhard. Das Besondere an der Aktion „Alkohol? Kenn Dein Limit!“: In Abwesenheit der Lehrer sprechen die jungen FH-Studenten mit den Schülern, klären sie spielerisch auf und erzählen auch von eigenen Erfahrungen – glaubwürdiger, als es Erwachsene können.

Das Projekt gefällt auch Marie Schmaler vom Humboldt-Gymnasium. „Man erfährt bei dieser Aktion sehr direkt und nachvollziehbar, was alles passieren kann, wenn man zu viel trinkt.“

Wobei das „zu viel“ schwer zu definieren ist. Susanne Niemtz, Studentin des Fachbereichs Sozialwesen weiß, dass sie mit ihrer Aktion niemanden komplett vom Trinken abhalten kann. „Aber die Jugendlichen sollten sich klarmachen, dass sie bei jedem Rausch mit dauerhaften Folgeerscheinungen rechnen müssen.“ Schließlich entwickele sich das Gehirn bis zu einem Alter von etwa 20 und sei daher besonders anfällig.

Eine Frage, die sie den Neuntklässlern des Humboldt-Gymnasiums stellt: „Wie stark kann ein Gehirn bei regelmäßigem Trinken schrumpfen?“ Fast alle Projektteilnehmer wissen die Antwort: 15 Prozent.

Ebenso einprägsam wie diese Zahl ist die Erfahrung mit der „Rauschbrille“. Sie engt das Sichtfeld ein und simuliert einen Alkoholgehalt von 0,8 oder 1,0 Promille im Blut. Mit dieser Brille auf den Augen sollen die Schüler einen kleinen Hindernisparcours bewältigen und simple Fragen beantworten. Doch kaum haben sie die Brille aufgesetzt, verlieren sie die Orientierung im Raum. Stolpern, kommen vom Weg ab und stoßen Kegel um. „Völlig krass“, sagt Dustin Richter überrascht. „Ich kann gar nicht glauben, dass ein Rausch sich tatsächlich so anfühlt.“

Zwei seiner Mitschüler haben auf dem Gebiet bereits ihre Erfahrungen gesammelt. Im Gespräch mit Sozialarbeiter André Bernhard haben beide zugegeben: „Wir hatten schon eine Alkoholvergiftung.“

André Bernhard bestätigt: „Die Jugendlichen trinken nicht unbedingt mehr als früher, aber sie trinken exzessiver.“ Anstelle des gemütlichen Feierabendbiers ist der gezielte Suff getreten. Begriffe wie „Vorglühen“, „Flat-Rate-Parties“ und „Komasaufen“ gehören zum jugendlichen Alltagswortschatz. In der Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums werden jährlich zehn bis 15 Jugendliche mit Alkoholvergiftung aufgenommen.

Nach Auskunft des Landesgesundheitsamtes nimmt die Zahl der unter 20-Jährigen, die nach übermäßigem Alkoholkonsum – im Krankenhaus landen, nach wie vor zu. Unter den Zehntklässler betrinkt sich jeder zweite einmal im Monat. Sabine Mühlbach, Biolehrerin am Humboldt-Gymnasium: „Wir hoffen jedenfalls, dass unsere Schüler durch das Projekt lernen, bewusster mit den Alkohol-Risiken umzugehen.“