Sie sind 45 Zentimeter hoch, haben eine fast 200 Jahre lange Tradition und sind in jedem Fotoalbum eines London-Touristen zu finden - die schwarzen Bärenfellmützen der königlichen Leibgarde. Doch wenn es nach Tierschützern geht, sollen keine Schwarzbären mehr sterben, um zur Kopfbedeckung für die stolzen rot-schwarz-uniformierten Gardesoldaten verarbeitet zu werden.
Nachdem eine Nachbildung der Mützen aus Kunstfell bei ersten Tests durchfiel, werben die Gegner der Bärenjagd nun auch für eine neue Mützenform und haben sich dafür bereits renommierte Designer mit ins Boot geholt. In Gesprächen mit dem Verteidigungsministerium sollen die neuen Vorschläge in dieser Woche erstmals erörtert werden.

Design statt tote Bären
Geht es nach dem Willen der Organisation für die ethische Behandlung von Tieren (Peta), weichen die wulstigen und respekteinflößenden Mützen, die Blickfang etwa vor dem Buckingham Palast sind, bald Kreationen von berühmten Designern wie Vivienne Westwood, Stella McCartney oder Marc Bouwer. "Ich kann mir keine größere Ehre vorstellen, als die Bärenfellmütze der königlichen Leibgarde mit einem luxuriösen Kunstpelz neu zu entwerfen", wird der US-Designer Bouwer in einem britischen Zeitungsbericht zitiert.
"Wir halten uns für eine moderne Nation, aber die Wachen der Queen laufen mit einem toten Bären auf ihrem Kopf umher", klagt der Europa-Direktor der Tierschutzorganisation Peta, Robbie LeBlanc. Auch ein neues Design könne die majestätische Erscheinung der Wachen wahren, zeigt er sich überzeugt.
Pro Bärenfellmütze, die erstmals 1815 nach dem Sieg bei der Schlacht von Waterloo Teil der Uniform wurde und ihren Träger für den Feind deutlich größer erscheinen lässt, muss ein Bär sein Leben lassen. Zwischen 50 und 100 Mützen werden jedes Jahr für die rund 2500 Soldaten aufs neue gebraucht. Das Fell stammt von Schwarzbären aus Nordamerika, wo noch rund 600 000 dieser Tiere leben. Wenn LeBlanc immer wieder an das Abschlachten der Bären erinnert, setzt er nicht zuletzt auch auf den Druck der öffentlichen Meinung.

Mit Nacktheit für den Tierschutz
Um für ihre Sache zu werben, hatten die Tierschützer in der Vergangenheit auch schon mal nackt demonstriert, das Gesicht nur mit einer Bärenmaske verdeckt - im Herzen von London. Bei seinem Treffen im Ministerium will LeBlanc auch abschreckende Videos vorführen lassen, die Bärenjäger bei ihrem blutigen Treiben zeigen.
Im Ministerium zeigt man sich anderen Materialien durchaus aufgeschlossen. Die Stoffe müssten aber hohen Qualitätsansprüchen genügen und allen Widrigkeiten des Wetters trotzen. Bei früheren Tests waren Ersatzstoffe durchgefallen und hatten sich teils sogar als Gesundheitsrisiko für die Soldaten erwiesen. Besonders bei Regen saugte eine Variante aus Kunstfell zu viel Wasser auf und wurde dadurch zu schwer. Auch die Würde der Wachen sahen die Tester damals nicht gewahrt. Ihr Urteil: Bei feuchtem Wetter sehen die Kunststoff-Mützen leicht wie Schlapphüte aus.