In den ersten Minuten dachte ich noch, dass dieser Tatort mit Vintage-Gelbstich im Stil von 70er-Jahre-Krimis eher schnöde wird. Anfangs schien es eine Geschichte à la „ein böser Clan auf Rachefeldzug“ zu werden. Doch mit steigender Minutenzahl stieg auch meine Begeisterung für diesen Tatort.

Da treffen Stilelelemente der frühen Tarantino-Filme auf einen Hauch Western, denn es kämpft Gut gegen Böse mit den Colts im Anschlag. Draußen vor der Tür des Polizeimuseums steht Hundertfach der Feind, der zwar nicht hungrig ist, aber es auf die da drinnen abgesehen hat. Es hat etwas von „Dawn of the Dead“, wie sich die Angreifer zombieähnlich und um sich ballernd auf Murot und die anderen stürzen wollen. Passend zu diesem Endzeitstimmungsszenario: die Sonnenfinsternis.

Es macht Spaß zuzugucken, auch deshalb, weil da innerhalb des Polizeimuseums ganz großes Schauspiel passiert. Absolut überragend: Peter Kurth als Walter Brenner, ein Ex-Cop, der nun in dem Museum arbeitet und als Typ gealteter Kriegsveteran mit Zigarre im Mund, der Situation trotzt. Er spielt sich zum Helden, der am Ende auch einen heldenhaften Tod stirbt und ganz nebenbei Tukur schauspielerisch doch ein wenig die Butter vom Brot nimmt.

Auch, wenn man kein Fan experimenteller Tatort-Folgen ist, allein um Tukur, Kurth, Christina Große als weiblicher MacGyver, Thomas Schmauser als wegen Kannibalismus verurteilten Psycho-Knackie Kerman – noch so eine tarantinoeske Wendung mit den Justizbeamten, die sich wegen eines Plattens samt Häftlingsfracht plötzlich inmitten dieses Endzeitszenarios finden – zu sehen, hat es sich gelohnt.

Wie einem Kammerspiel hängen sie da auf engem Raum und sorgen für großes Kino. Und wie es sich für einen Tatort gehört, der einen großen Schuss Tarantino beinhaltet, spielt Buchautor Clemens Meyer als nerviger dezent hyperaktiver Radiomoderator, der im Singsangton ins Mikro palavert, auch mit. Und erinnert dabei ganz nebenbei an den Film „Good Morning, Vietnam.“

Die Schauspieler und die Referenzen in diesem Tatort: Großartig!