Viele Stromkunden müssen wieder tiefer in die Tasche greifen. Ihre Versorger erhöhen die Preise Anfang 2016 im Schnitt um knapp drei Prozent. Das bringt für einen Durchschnitts-Vier-Personen-Haushalt Mehrkosten von 30 bis 40 Euro im Jahr.

Beim Strom registrierte das Vergleichsportal Verivox zum Januar 2016 bisher 137 von gut 800 Versorgern mit Preiserhöhungen von im Schnitt 2,8 Prozent. "Verantwortlich hierfür sind in erster Linie steigende staatliche Umlagen und die Kosten der Stromnetze", sagte Verivox-Geschäftsleitungsmitglied Jan Lengerke. Check24 erfasste für das erste Quartal 2016 zuletzt 151 Stromversorger mit Erhöhungen ebenfalls um durchschnittlich 2,8 Prozent.

Damit dürfte es 2016 wohl dabei bleiben, dass deutsche Kunden für ihren Haushaltsstrom europaweit mit am tiefsten in die Tasche greifen müssen. Im Frühjahr 2015 war Strom nur in Dänemark teurer. In Deutschland wurden durchschnittlich gut 29 Cent pro Kilowattstunde verlangt. Der durchschnittliche Strompreis in der Grundversorgung ist damit laut Check24 seit Juli 2007 um 47 Prozent gestiegen.

Am Börsenpreis für die Strombeschaffung liegt das nicht. Dort fällt und fällt der Preis, weil immer mehr geförderter Ökostrom auf den Markt drängt. Der Börsenpreis beträgt inzwischen nur noch drei bis vier Cent - etwa halb so viel wie 2011 - und unterschreitet gelegentlich sogar die Schallmauer von drei Cent pro Kilowattstunde.

Die Strombeschaffung macht aber nur etwa ein Viertel des Endpreises aus. Mehr als die Hälfte sind staatliche Umlagen - und hier gibt es 2016 gleich mehrere Erhöhungen. Die EEG-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energie steigt um knapp 0,2 Cent auf 6,354 Cent pro Kilowattstunde. Rund 23 Prozent des Preises entfallen außerdem auf die Netzentgelte für den Ausbau und Betrieb des Stromnetzes. Sie verteuern sich laut Verivox im Bundesschnitt um fast vier Prozent mit sehr starken regionalen Unterschieden und Ausschlägen um teils bis zu 15 Prozent. Vielfach blieben die Erhöhungen dabei allerdings weitgehend intransparent, beklagt Energiefachmann Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Alle möglichen Zusatzkosten von der umstrittenen Braunkohlereserve bis zu den teuren Erdkabeln in Bayern und anderswo verschwänden in dieser "Blackbox".