Im zweiten Programm des DDR-Fernsehens verkörperte sie die witzige und zugleich tollpatschige Moderatorin in einer der beliebtesten Kindersendungen im Osten der Republik. Am heutigen Montag wird Ellen Tiedtke 85 Jahre alt.

Der Streifenpullover und die Ringelsocken sind zu ihrem Markenzeichen geworden. Immer mittwochs lief die Sendung unter dem Motto "Filme, Spaß und sonst noch was". Das Magazin war so beliebt, dass die Sendezeit verschoben wurde, weil zeitgleich die Pioniernachmittage stattfanden. "Es gab Krach mit den Schülern, sie wollten Ellentie sehen", erinnert sich Tiedtke. 1991 wurde die Sendung eingestellt.

Im Berliner Friedrichstadtpalast trat Tiedtke ab 1975 vor allem in Kinderrevuen auf. Zuvor spielte sie am Berliner Kabarett Distel.

Ihren Auftritt in dem Kindermagazin bezeichnet sie heute "als späten Glücksfall". Sie sei nach ihrem Weggang von der Distel "jahrelang von der Bildfläche verschwunden" gewesen. Von 1957 bis 1963 gehörte sie dem Ensemble an. "Ich wollte Kabarett unterwegs machen, auf anderen Bühnen stehen", erinnert sich Tiedtke an die Zeit danach. "Das war der größte Fehler meines Lebens." Entmutigen ließ sie sich davon nicht, im Gegenteil. Sie startete als Sängerin durch. Eine ihrer Platten trug den Namen "Ellen Tiedtke singt mit Herz und Schnauze". Wegen ihrer kritischen Texte bekam sie gelegentlich Ärger mit der DDR-Künstleragentur. Tiedtke hatte an den Schauspielschulen in Schwerin und Leipzig studiert und am Theater in Cottbus debütiert.

Mit ihren fast 85 Jahren ist Tiedtke noch regelmäßig Zuschauerin in der Distel. Kabarett sei heute im Gegensatz zu damals leicht: "Es darf ja alles gesagt werden." Und die Sache mit dem Kinderfernsehen? "Kinder lassen sich heute genauso ansprechen wie damals. Nur die Sprache ist mittlerweile eine andere geworden."

Auf ihren Geburtstag angesprochen, wird sie plötzlich einsilbig: "Das schönste Geschenk macht man mir, wenn man ihn vergisst."