Die Präsentation stieß auf großes Interesse. Rund 80 Gäste lauschten dem Bericht von Jens Lipsdorf, dessen Büro für Archäologie und Denkmalpflege die Ausgrabungen geleitet hatte. Die Forschungen im Untergrund rund um die Forster Stadtkirche haben demnach wichtige Erkenntnisse gebracht: "Wir haben Spuren bronzezeitlicher Besiedlung gefunden", erklärte Lipsdorf und zeigte Fotos von unterschiedlichen Bodenverfärbungen. "Das sind Spuren, die darauf hinweisen, dass sich früher jemand die Mühe gemacht haben muss, den Boden zu bearbeiten." Es wurden Keramikscherben gefunden, die bis zu 3500 Jahre alt sein könnten. Am nordwestlichen Teil des Marktplatzes seien im Untergrund zudem Spuren aus dem Mittelalter aufgetaucht. Strukturen und Schichtungen im Boden an der Südseite des Marktplatzes zeigten, dass dieser mehrfach aufgefüllt worden war. Von Menschenhand verlegte Holzbohlen konnten bis in 80 Zentimeter Tiefe nachgewiesen werden. Jens Lipsdorf vermutet, dass die Schichtung aufgrund des sehr feuchten Lehmbodens immer wieder notwendig war. Dadurch sei es nach und nach zu einer massiven Erhöhung des Marktplatzes gekommen. "Früher ging man zur Kirche bergauf", sagte der Experte. Einen Friedhof fanden die Archäologen wider Erwarten nicht. Zwar seien seine Mitarbeiter auf vereinzelte Grüfte gestoßen, so Lipsdorf, doch diese stammen wohl von privaten Begräbnissen. Fotos zeigen die Umrisse und Überwölbungen. Zu erkennen ist auch, dass die Grabstätten teilweise mit einem Kalkanstrich weiß getüncht wurden. Särge seien nicht gefunden worden.Sicher ist laut Lipsdorf nun auch, dass freigelegte Mauerreste nicht wie zunächst vermutet aus dem Mittelalter stammen. Das hätte unterhalb der Fragmente ausgegrabene Keramik bewiesen, die eindeutig aus der Neuzeit stammt. Die Mauer muss also nach dem großen Brand von Forst im Jahr 1748 gebaut worden sein. Vier Schächte, die sowohl am ehemaligen Rathaus als auch an der Kirche und alten Apotheke freigelegt wurden, stammen aus dem 19. Jahrhundert und dienten wahrscheinlich der Hauswasserversorgung oder Entwässerung. Die Überlegung der Stadtverwaltung, die Schächte mit einer Plexiglasscheibe für Jedermann sichtbar zu lassen, sei aus Kostengründen verworfen worden. Während die Mauerreste und Schächte im Zuge der Bauarbeiten am Marktplatz wieder überpflastert wurden, konnten Tausende Keramik-, Ton- und Steinscherben zu Tage gefördert werden. In Dutzenden Kisten und Tüten lagern sie derzeit in Forst. Die Fundstücke werden gereinigt, katalogisiert und im Computer erfasst. Die größte Menge an ehemaligen Tellern, Gefäßen und Tierknochen fand das Team um Jens Lipsdorf tatsächlich an der Stelle, wo Vermutungen zufolge eine Brauerei stand. Damit sei sehr wahrscheinlich, dass sich am Markt tatsächlich einst eine Gastwirtschaft befand. Besonders begeistert ist Kunsthistoriker Lipsdorf von der Vielfalt der gefundenen Ofenkacheln. Bestimmte wiederkehrende, figürliche Motive sowie unterschiedliche Ofenbrände und Glasierungen würden belegen, dass die Kacheln bereits im frühen 18. Jahrhundert serienproduziert wurden. Bislang seien Experten vom 19. Jahrhundert ausgegangen. In Zusammenarbeit mit Frank Henschel vom Kirchbauverein sollen in der Stadtkirche Fotos und einzelne Fundstücke der Grabungen ausgestellt werden. "Etwa Ende Mai, Anfang Juni", verriet Henschel bereits.