Natürlich sei es traurig um jedes einzelne gerissene Schaf, erklärt Olaf Preuße. Doch dafür nur den Wölfen die Schuld in die Schuhe schieben so wollen, lehnt er ab. „Die Schutzzäune müssen ausreichend hoch und in Ordnung sein. Da haben auch die Halter Verantwortung“, stellt der 51-Jährige klar. Allerdings müssten natürlich die durchaus verständlichen Sorgen der Tierhalter ernst genommen werden.

Preuße weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er vom Fach. Der gebürtige Spremberger begann vor 35 Jahren in der Schäferschule im anhaltinischen Wettin seine Ausbildung. Im Jahr 1984 hielt er seinen Meisterbrief in den Händen. Dem schlossen sich bis zur Wende entsprechende Tätigkeiten in der Spremberger Region an.

An den Schafherden schätzt Olaf Preuße deren Gemütlichkeit. „Die Tiere strahlen eine ganz angenehme Ruhe aus.“ Allerdings nur, solange kein Wolf in der Nähe ist. „Natürlich müssen die Schafe geschützt werden. Der Schäfer ist nämlich ein Hirtenberuf, und das bedeutet so viel wie behüten. Es ist in unserer Heimat wieder eine richtige Herausforderung geworden, Schafsherden zu behüten. Schließlich gab es über anderthalb Jahrhunderte keine Wölfe mehr in der Lausitz“, erklärt Olaf Preuße.

Zu den Graupelzen kam der Spremberger allerdings nicht über die Schafsrisse, sondern über den Reittourismus. „Ich interessiere mich auch sehr für Pferde. Da kam die Vereinigung der Freizeitreiter auf mich zu und fragte, ob ich mich nicht vom Wolfsbüro schulen lassen könnte. Schließlich war bis dato nicht bekannt, wie sich das Vorkommen von Isegrim auf die Freizeitreiter in Wald und Feld auswirken würde“, erzählt Preuße.

Gesagt, getan. Olaf Preuße ließ sich von den Wolfsfachleuten ausbilden. Als Experte für die Raubtierart sieht er sich dennoch nicht: „Ich würde es mal so sagen: Ich kenne mich in dieser Materie recht gut aus.“ Inzwischen darf der 51-Jährige sogar Touren ins Lausitzer Wolfsgebiet durchführen. Bislang lief er dabei an der Seite des Spremberger Nabu-Wolfsexperten Markus Bathen mit.

Am 10. Dezember wird Olaf Preuße nun seine erste selbstständige Tour führen. Dann zieht sich der Schäfermeister seinen Wintermantel, den „Wolfspelz“, über und begibt sich mit seiner Wandergruppe auf die Pulsberger Hochkippe. Dort hat das Welzower Rudel seinen Lebensmittelpunkt. Ob die Wanderer tatsächlich einen Graupelz zu Gesicht bekommen, sei zwar eher unwahrscheinlich. Dafür träten häufig die Hinterlassenschaften von Isegrim ins Bild, etwa Spuren und Losung. Und wenn die Teilnehmer Glück haben, können sie ein schauriges Spektakel erleben: „Ich habe am helllichten Tag an der Hochkippe die Wölfe heulen gehört“, berichtet Olaf Preuße. „Da wurde mir ganz anders.“ Wer an der Wolfstour am 10. Dezember teilnehmen möchte, kann sich in der Spremberger Tourist-Information unter Telefon 03563 4530 anmelden.

Zum Thema:

Zum Thema Im Jahr 2000 gelang es nach Angaben des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz einem aus Polen zugewanderten Wolfspaar in der Oberlausitz erstmals seit 150 Jahren wieder Welpen aufzuziehen. Mittlerweile leben sechs nachgewiesene Rudel in Sachsen, vier in Brandenburg und eines auf beiden Seiten der Landesgrenze.