Erster Gedanke: Oh nein, Stefan Raab macht Schluss mit Fernsehen. Zweiter Gedanke: Gut, nach mehr als 20 Jahren wird es auch langsam Zeit. Dritter Gedanke: Was sind denn eigentlich "Fernsehschuhe"? Die will Stefan Raab nach zwei Jahrzehnten am Ende des Jahres endgültig an den Nagel hängen. Bei vielen anderen wäre das wenig überraschend gewesen - Quotenflauten, Ideenlosigkeit, veralterte Formate . . . Auf Raabs Sendungen trifft all das nicht zu - im Gegenteil: so kreativ wie er war lange keiner mehr im deutschen Fernsehen.

Ob man Stefan Raab nun mag oder nicht - wenn ein gelernter Metzger Promis auf Riesen-Woks eine Bobbahn hinunterbrausen lässt und damit regelmäßig "Deutschland sucht den Superstar" ein paar Millionen Zuschauer abknöpft, dann muss schon irgendetwas dran sein an dem Großmaul der Nation, das schon Anfang der 90er-Jahre beim Musiksender "Viva" kein Blatt vor den Mund nehmen wollte.

Raab ist eine der wenigen Fernsehpersönlichkeiten, von denen man sich als Promi vermutlich gerne mal auf den Schlips hat treten lassen - ein Auftritt bei "TV Total" kann zum Ritterschlag für Musiker und Schauspieler werden - vorausgesetzt, sie halten Raabs Humor Stand und setzen dagegen.

Dass Raab nebenbei auch noch den Eurovision Song Contest für Deutschland zumindest ein paar Jahre lang erträglicher gemacht hat, ist mehr als eine Randnotiz - da schreibt er einen völlig absurden Song für einen völlig absurden Interpreten und Guildo Horn erreicht mit "Guildo hat euch lieb" immerhin den siebten Platz. 2000 macht es Raab selbst, fährt mit "Wadde hadde dudde da?" nach Stockholm und landet auf Platz fünf. Für Max Mutzkes "Can't Wait Until Tonight" gab es immerhin noch den achten Platz, für Lena Meyer-Landruts "Satellite" gab es nach Jahren noch einmal einen Sieg beim Song Contest 2010 - und Raab hatte bewiesen, dass er nicht nur ein begnadeter Unterhaltungskünstler ist, sondern obendrein ein talentierter Musiker. Für neue Ideen hat Raab auch selbst des Öfteren das Kinn hingehalten, ließ sich von Box-Profi Regina Halmich verdreschen, hat bei "Schlag den Raab" trotz regelmäßigen Siegens sogar gegen Leistungssportler öfter mal einen auf den Deckel gekriegt und scheute sich auch nicht, vor versammeltem Fernsehpublikum mit Speckbäuchlein vom Turm in das Schwimmbecken zu springen. Oder als Moderator beim Kanzler-Duell aufzutreten, Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück auf den Zahn zu fühlen und dafür - entgegen aller argwöhnischen Kritik - auch noch Lob einzuheimsen. Dass Stefan Raab nun seine Fernsehschuhe (was auch immer Fernsehschuhe nun sein mögen) an den Nagel hängt, ist zunächst einmal zweifelsohne ein Schlag für die deutsche Fernsehlandschaft - immerhin hatte Raab noch Ideen, seien sie auch noch so abstrus gewesen. Andererseits aber geht Stefan Raab zu einem Zeitpunkt, an dem keiner von ihm behaupten könnte, er habe die letzten Jahre seiner Fernsehkarriere - wie andere große Persönlichkeiten im Fernsehen - im Quotennirvana verbracht.

Und wer weiß - vielleicht kann man bald in einer Kölner Metzgerei Schinken von Stefan Raab kaufen - oder er komponiert wieder Werbesongs, für Zahncreme etwa.