In Teilen Deutschlands steigen die Temperaturen in diesen Tagen noch immer auf bis zu 20 Grad. Frühlingsgefühle statt Vorweihnachtsstimmung sind angesagt, sogar in die Badeseen trauen sich Mutige. Wie erlebt Deutschland den milden Herbst?

Rekordtemperaturen? Vielerorts wurden Rekorde geknackt, Messungen jenseits der 20 Grad waren im Süden Deutschlands keine Seltenheit. In Freiburg erreichte die Temperatur 23,2 Grad und übertraf damit den bisherigen Rekord von 1970, damals waren es 20,9. Auch nachts traten zum Teil bis zu 18 Grad auf.

Biergarten-Wetter: "Die Menschen bekommen bei den Temperaturen und dem Sonnenschein Lust darauf rauszugehen", sagt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Biergärten und Strandbars hätten ihre Saison aber schon beendet. Trotzdem nutzen viele Restaurants ihre Außenflächen, was Kunden gerne annehmen. Noch ginge es oft auch ohne Decken und Heizstrahler, sagt Heckel.

Leiden unter der Sonne? "Wir befinden uns im Behaglichkeitsbereich" sagt Medizin-Meteorologin Angelika Grätz vom Deutschen Wetterdienst zu den warmen Temperaturen. Ungünstige Auswirkungen auf den Körper seien kaum zu erwarten, höchstens der Wechsel zwischen hohen Temperaturen tagsüber und der Kälte am Abend könne etwas Stress bedeuten. Ältere Menschen und chronisch Kranke könnten unter den Schwankungen leiden. Alle anderen sollten das Wetter einfach genießen, sagt die Expertin. Sonnenbrandgefahr bestehe nicht.

Eis essen statt Eis kratzen? "Vor den Eisdielen tummeln sich die Leute", sagt Dehoga-Sprecherin Heckel. Anders als bei den Biergärten, gebe es für Eisdielen keine richtige Saison, viele hätten das ganze Jahr über geöffnet und könnten auch spontaner auf das Wetter reagieren. Der Eiskratzer hat währenddessen noch Pause.

T-Shirt oder Rollkragenpullover? Wer im Moment aus dem Fenster sieht, gehe schon davon aus, dass es draußen auch warm sei, sagt Meteorologin Grätz. Doch die Temperatur sei leicht zu unterschätzen. Man solle nicht unbedingt im Wintermantel losgehen, im T-Shirt aber auch nicht. Am besten sei es, sich nach dem Zwiebel-Prinzip zu kleiden, also mehrere Schichten anzuziehen, um für unterschiedliche Temperaturen gewappnet zu sein.

Wie verhalten sich die Tiere? "Für die meisten überwiegen die Vorteile", sagt Artenschutzexperte Christian Geske vom Landesbetrieb Hessen-Forst. Im Moment gebe es genügend Nahrung für Wildschweine und Rehe, um sich mit einer dicken Speckschicht auf den Winter vorzubereiten. Siebenschläfern ist es jetzt allerdings zu warm zum Schlafen, und ihre eigentliche Nahrung, Blüten und Früchte, finden sie nicht mehr. Igel haben dasselbe Problem, sie verbrauchen mehr Energie als sie finden, sagt Geske.

Auf zwei Rädern? Auch wenn viele Motorradfahrer ihre Maschinen bereits abgemeldet hätten, müssten Autofahrer noch mit ihnen rechnen, sagt Melanie Mikulla, Sprecherin des ADAC. Bei dem Wetter seien noch viele auf zwei Rädern unterwegs. Sie sollten auf die tiefstehende Sonne und rutschige Fahrbahnen durch Blätter achten. Trotz der Temperaturen dürften auch Autofahrer nicht vergessen, schon auf Winterreifen umzurüsten. Der ADAC empfiehlt, zwischen Oktober und Ostern damit zu fahren - bis 25 Grad könne man Winterreifen auch ohne spürbare Unterschiede benutzen.

Blühende Landschaften? Wegen der Wärme wachse etwa der Raps schon jetzt zu schnell, sagt Franz-Josef Löpmeier vom DWD. Besonders im Süden und Osten Deutschlands sei die Bodenfeuchte darüber hinaus zu gering, in Baden-Württemberg und Bayern würden die Zahlen um 30 bis 40 Prozent vom normalen jährlichen Mittel abweichen. Ein weiteres Problem könne die Ausbreitung von Insekten, wie Blattläusen, sein.

Waldbrandgefahr statt Schneeregen? In wenigen Teilen Deutschlands ist es in den vergangenen Tagen nicht nur wärmer als sonst, es regnet auch weniger. Im Südwesten der Republik warnten die Forstämter in den vergangenen Tagen vor Waldbränden. Grund dafür ist die Menge an Laub, die trocken auf den Böden der Wälder liegt.