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Olaf Schaper
Der Mann der Gegensätze

Exklusiv | Düsseldorf. Gegensätze ziehen sich an, heißt es so oft im Volksmund, doch längst nicht immer klappt das so reibungslos wie gewünscht. Der Düsseldorfer Olaf Schaper vereint dagegen zwei ganz besondere Gegensätze: Als Notfallseelsorger und Pantomime-Künstler erlebt er Menschen in Situationen, die kaum unterschiedlicher sein könnten und spricht dennoch von einer "schönen Symbiose".

"Pantomime hat mich schon immer fasziniert. Außerdem wollte ich neben dem Studium etwas Künstlerisches machen," sagt Schaper über die Anfänge. Als ihm dann zufällig ein Flyer mit Werbung für eine Pantomime-Ausbildung in die Hände fiel, stand seine Entscheidung schnell fest: "Während sich meine Kommilitonen für viel Geld die ersten Computer gekauft haben, habe ich mein ganzes Geld für die Pantomime-Ausbildung in die Hand genommen." Anderthalb Jahre lang besuchte Schaper am Wochenende die Ausbildungskurse des bekannten Pantomimen und Theaterregisseur Mehmet Fistik. "Die Zeit hat mich sehr geprägt. Ich habe gemerkt, dass ich den Mut für die Bühne habe."

Doch bis die Pantomime-Künste von Schaper das nächste Mal zum Einsatz kamen, vergingen anschließend viele Jahre, in denen sich für Schaper Einiges tat. Mittlerweile ist er seit 21 Jahren Seelsorger der Düsseldorfer Feuerwehr. Er betreut die Feuerwehrleute bei psychisch besonders belastenden Einsätzen und leitet als Hauptamtlicher zudem die ökumenische Notfallseelsorge.

Erst bei einer Ausstellung zum Thema Spiegelung trat Schaper als Gefallen für einen Freund wieder als Pantomime auf. Spricht man mit dem Seelsorger über seine Leidenschaft, ist anhand seiner vielen Gesten schnell zu sehen, wie ihn die Pantomime begeistert. "Es ist ein sehr schönes Gefühl, ein zweites Standbein zu haben. Auf der Bühne kann ich immer wieder das Kind im Manne neu entdecken", sagt Schaper. Sein Geheimrezept für eine gelungene Show ist relativ einfach: "Niemals sprechen! Wenn man nicht spricht, nur spielt, kann man verzaubern."

Seine selbst geschriebenen Stücke führt Schaper besonders gerne vor jüngerem Publikum auf: "Kinder sind ehrlich. Da lacht keiner aus Höflichkeit." Insgesamt sei Pantomime "ein schöner Gegenpol zu meinem Beruf, bei dem ich in sehr traurigen Sphären bin". Bei der Pantomime und bei der Notfallseelsorge erlebe er Menschen aus zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven. Dennoch sieht er keinen Widerspruch. Im Gegenteil, bei der Pantomime könne man sehr gut auch Tabuthemen ansprechen und darstellen. "Das Ganze ist mehr eine Symbiose aus Beruf und Leidenschaft."

In den vergangenen Jahren gab es bereits einige Anlässe für Schaper, dies unter Beweis zu stellen: Als er einmal zu einem Trauergottesdienst in einer Kita gerufen wurde, in der ein kleines Kind verstarb, stand er vor dem großen Rätsel, wie den Kindern nun den Tod erkläre. "Ich habe mit einer in die Luft aufsteigenden Feder gespielt", die den Tod symbolisieren sollte. Für die Kinder, die ihm mucksmäuschenstill folgten, sei sofort klar gewesen, dass ihr Freund nun nur an einem anderen Ort sei. "Angst kann durch Pantomime-Elemente genommen werden", sagt Schaper. Denn nicht alles, was zunächst als unvereinbarer Gegensatz erscheint, muss auch tatsächlich einer sein. Robin Hetzel

(RP)