Das Auswahlverfahren

Voraussetzung, um bei der Lufthansa die Pilotenausbildung absolvieren zu können, ist neben dem Abitur oder der fachgebundenen Hochschulreife eine Körpergröße zwischen 1,65 und 1,98 Metern, ein solides Grundwissen in Mathematik, Physik und Englisch. Zudem dürfen die Anwärter nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben, sollten in guter körperlicher Verfassung und mindestens 17 Jahre alt sein.

Nach der schriftlichen Bewerbung folgt die Berufsgrunduntersuchung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg - dort werden mit Hilfe von Aufgaben am Computer "grundlegende Leistungs- und Persönlichkeitsmerkmale erhoben". Die Durchfallquote liegt bei 70 Prozent. Wer besteht, für den folgt die Firmenqualifikation - ein intensives, zweitägiges Auswahlverfahren mit Gruppen- und Einzelaufgaben, bei denen emotionale Stabilität, soziale Kompetenz und Handlungskompetenz überprüft werden. Am zweiten Tag folgt nach einem Simulator-Test noch ein psychologisches Interview. Laut DLR werden die Kandidaten dabei etwa nach einer Bewährungssituation in ihrer Schulzeit gefragt. Auch müssen sie sich im Gespräch klar dazu äußern, ob ihre aktuelle Lebenssituation überhaupt eine Ausbildung zulasse. Die Durchfallquote liegt bei 75 Prozent. Anschließend folgt ein Test beim Medizinischen Dienst der Lufthansa in Frankfurt.

Die Ausbildung

Wer dann noch im Rennen ist und sich den 70 000 Euro teuren, mindestens 29 Monate dauernden Lehrgang leisten kann - eine Aufwandsentschädigung gibt es in diesem Zeitraum nicht -, wird in Bremen, Goodyear (Arizona) und Frankfurt ausgebildet. Neben 12000 Unterrichtsstunden à 45 Minuten reiner Theorie - etwa in Navigation, Meteorologie und Elektrotechnik - absolvieren die Schüler zunächst in einmotorigen Maschinen in der Wüste Arizonas ihre ersten Flugstunden. Nach Rückkehr nach Bremen und erfolgreicher theoretischer Prüfung steigen die Schüler auf größere Jets um. Im letzten Schritt erhalten sie ihr Type Rating, also die Musterschulung auf einen Bestimmten Flugzeugtyp - etwa den Airbus A320. Auch Todespilot Andreas L. durchlief diese Ausbildung, die Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufolge bei Germanwings und der Lufthansa analog verläuft. Allerdings unterbrach L. seine 2008 begonnene Ausbildung für mehrere Monate und musste deshalb die Aufnahmeprüfung wiederholen. Eine solche Pause sei nicht unüblich, so Spohr.

Nach der Ausbildung

Nach Angaben des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt gibt es für Piloten keine dezidierte Untersuchung der psychischen Gesundheit.

Man müsse davon ausgehen, dass ein solcher Test keine 100-prozentige Sicherheit biete. "Zudem kommt es in jeder Berufsgruppe vor, dass jemand durch Lebensumstände oder andere Einflüsse im Laufe der Zeit psychische Probleme entwickelt, die seinem Umfeld verborgen bleiben", sagt Großbongardt.

Auch wenn es solche psychologischen Tests für Verkehrspiloten nicht gibt, müssen sie ihre Fähigkeiten zum Führen eines Flugzeugs ständig neu nachweisen. Nach Angaben der Vereinigung Cockpit müssen sie neben den medizinischen Checks vier Mal im Jahr erfolgreich einen Simulator-Test absolvieren, in dem zahlreiche Extremsituationen durchgespielt werden. Ein einmaliges Durchfallen ist möglich und führt zu intensiven Nachschulungen. Fällt der Pilot ein zweites Mal durch, verliert er seine Lizenz.