Idyllisch liegt der etwa 40 Hektar große Teich bei Golßen in der Wintersonne. Er ist die letzte Heimat von vielen Karpfen und anderen Fischen, die die Teichwirtschaft Fürstlich-Drehna zwischen Oktober und Ostern zum Verkauf anbietet. "Wenn du hier arbeitest, wirst du schnell betriebsblind. Und Leute, die bei mir zu Besuch sind, müssen mir sagen, wie schön es hier ist", erzählt Mathias Gramsch.

Seit dem Jahr 1992 betreibt er gemeinsam mit seiner Tante Gisela Bräuning-Krätzig die Teichwirtschaft in Fürstlich-Drehna. Ihre Zuchtgewässer sind jedoch über viele Landkreise in einem Umkreis von ungefähr 70 Kilometern verteilt. Schätzungsweise 40 bis 50 Tonnen Fisch tummeln sich darin. "Die Aufzucht der Karpfen bei uns ist naturnah, aber selbstverständlich müssen wir die Teiche instand halten und die Karpfen füttern", erklärt Mathias Gramsch. Außerhalb der Verkaufszeit ist der Vater von drei Kindern hauptsächlich damit beschäftigt, die über die Region verteilten Karpfen mit Getreide zu füttern. Auf so einer Runde ist er dann schon mal mehr als 100 Kilometer unterwegs.

Bei manchen Teichen habe es aber in wenigen Jahren auch ohne das Füttern funktioniert, und die Fische konnten sich komplett aus ihrer Umgebung ernähren. "Karpfen, die aus der Intensivzucht kommen und hauptsächlich mit künstlichem Mittel gefüttert werden, haben eher weiches Fleisch. Die aus ökologischer Aufzucht dagegen haben meist bissfestes", erläutert Mathias Gramsch. Die Karpfenzucht vergleicht er mit der Landwirtschaft: Viele unterschiedliche Faktoren, vom Ökosystem des Teiches bis hin zum Zustand der Fische, müssten beachtet werden, um erfolgreich zu sein. Mehrmals würden die Fische in ihrem kurzen Leben zur Aufzucht die Teiche wechseln.

Für Weihnachten und Silvester verkauft die Teichwirtschaft ungefähr drei Tonnen Karpfen. Hauptsächlich über die Fischgeschäfte in der Region, aber auch direkt vor Ort. "Heute sind Spiegelkarpfen bei den Kunden beliebt, da bei denen nicht so viele Schuppen entfernt werden müssen", sagt der leidenschaftliche Fischer. Bevor die Karpfen verkauft werden können, müssen sie erst einmal aus den Teichen gefischt und eine Woche in einem Zwischenbecken mit vermehrtem Wasserdurchlauf verbringen, damit sie ihren modrigen Geschmack verlieren. "Verkauft werden hauptsächlich Karpfen die drei bis vier Jahre alt sind. Sie sind dann groß genug und wachsen nicht mehr viel", erklärt Mathias Gramsch.

Sein Lieblingsrezept für einen guten Karpfen verrät er zum Schluss auch noch: Vom ausgenommenen Edelfisch wird der Schleim gründlich mit Salz abgerieben. Danach ist eine kalte Pfanne mit Speckscheiben auszulegen. Anschließend sollte der Karpfen mehrfach längs eingeschnitten, mit Pfeffer und Salz gewürzt und in die Pfanne gelegt werden. Dann wird der Karpfen mit Senf eingerieben und mit Speckscheiben bedeckt. Danach sollte der Fisch bei 140 bis 150 Grad eine halbe Stunde im Ofen garen. Fertig ist das leckere Fischgericht.

Auf rund 4000 Hektar Teichfläche werden in Brandenburg Karpfen gezüchtet, so die Angaben des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft. In diesem Jahr wird mit einer Produktion von fast 1000 Tonnen gerechnet. Damit nimmt das Land den dritten Platz hinter Bayern und Sachsen ein.