Wenn Jens Rinza ein Brett für die Wand gestaltet hat, windet sich der dicke Ast darin. Er hat die Ohrenschützer über die warme Kapuze gezogen. Flink wirft er die Säge an. Winzige Späne schweben über den Hof der alten Schmiede. Die Oberfläche des Bretts hobelt er so glatt, dass Töpfe, Bücher, Pokale und Skulpturen darauf sicher stehen. Aber die Kante schwingt sich so, wie der Baum einst wuchs. „Der Tischler trennt das Holz und verleimt es dann wieder“, sagt Jens Rinza, „ich aber entferne nur die Rinde, wo der Holzwurm und andere Schädlinge gern sitzen.“ So baut er Schiffe und Hochbetten, setzt eine Katze zwischen die Zaunlatten, findet bequeme Lehnen für Bänke und entwickelt lustige Vogelhäuser.

Holz aus der Region wird ihm öfter vor die Füße gelegt. Die Nachbarn dachten an ihn, als sie ihren alten Spillingsbaum, eine Pflaumenart, fällen mussten. Geschäftspartner und Kunden, die einmal gesehen haben, was er gestaltet, bringen Material vorbei. Pflaume, Apfel, Kirsche und Birnen für Innenräume, Robinie, Eiche, Lärche, Kiefer für den Außenbereich.

Oft lässt Rinza die Stämme, geköpften Kronen und verschlungenen Wurzeln einige Zeit vor seiner kleinen Werkstatt liegen – bis er oder ein Besucher plötzlich etwas darin sieht: den Fuß für einen Wohnzimmertisch, einen Garderobenständer mit langer Nase oder das urige Rodelberg-Geländer für eine Treppe.

„Einheimisches Holz ist mir wichtig – nicht nur weil die Transportwege kurz sind. Was hier gewachsen ist, kommt auch nach dem Fällen gut mit unserem Klima klar“, sagt der Kolkwitzer. Holz bleibe lebendig. „Es nimmt Feuchtigkeit auf – hygroskopisch nennt man das – und es gibt Feuchtigkeit an die Umgebung“, so der 45-Jährige. Und er sucht nicht unruhig nach einem Pinsel, wenn sein Zaun ergraut. „Damit schützt sich das Holz selbst – die Fachleute sprechen von einer Silbervergrauung“, erklärt Jens Rinza und erzählt vom Lärchenzaun eines Freundes. Der hatte ihn mit einer Holzlasur eingepinselt. Als die Lasur dann aber riss, traf die Feuchtigkeit das plötzlich ungeschützte Holz, es begann zu faulen. „Die Zäune, die ich baue, werden grau, aber sie halten“, erklärt Jens Rinza. Nur Holz im Innenbereich sollte der Optik wegen gestrichen werden – mit einheimischem Leinöl, ein- bis zweimal im Jahr.

Mit Holz hat Jens Rinza schon als Kind gern gespielt. „Ich habe die teuren Eichenbretter meines Großvaters vernagelt und Baumhäuser gebaut“, erzählt er. Nach der Schule wollte er Tischler werden, doch es klappte nicht mit der Lehrstelle. Er ging zur Bahn. Bis zur Wende sei er mit Leib und Seele Eisenbahner gewesen. Doch mit der zunehmenden Automatisierung nach 1990 und Erfahrungen auf Sylt und in Hamburg fehlte ihm die Bewegung. 1995 kam er zurück nach Cottbus und ließ sich zum Möbeltischler umschulen. Das Gesellenstück steht im Wohnzimmer: ein Hi-Fi-Schrank. „Ich habe ihn blau angestrichen – das würde ich heute nicht mehr tun“ – Rinza lacht.

Doch danach eine feste Anstellung zu finden, war wieder schwer – „in den Westen wollte ich nicht mehr“, sagt der Kolkwitzer. Bis zum Jahr 2005 half er bei der Sanierung im Bereich der Peitzer Festung. Ganz besonders wichtig seien in dieser Zeit die Erfahrungen mit der Denkmalpflege gewesen. Dann traf er den Cottbuser Tischlermeister Robert Totzke in der Parzellenstraße – „wir haben uns gleich verstanden.“ Rinza überstand die Probezeit, bekam eine Festanstellung, zeichnete und entwarf das neue Schiff für den Eliaspark in Cottbus – mit Mast und Segel – „das Steuerrad haben sie uns, kaum das es befestigt war, gestohlen“. Nun ist er Existenzgründer, hat in seinem Projekt „Stark wie ein Baum“ – gefördert über den Europäischen Sozialfonds und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – Jugendliche mit einem Indianerdorf in Drieschnitz mit seiner Kreativität angesteckt. Jens Rinza ist optimistisch, dass die Holzgestaltung nicht zu den aussterbenden Berufen gehört. „Ich liebe die Bäume“, sagt er und fühlt sich auf seinem Öko-Trip gar nicht so einsam.