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| 01:29 Uhr

Der Kampf gegen Bettwanzen und Tierflöhe

Bettwanzen sollten vom Fachmann bekämpft werden. Foto: dapd
Bettwanzen sollten vom Fachmann bekämpft werden. Foto: dapd FOTO: dapd
Wuppertal/München. Parasiten können in jeder Wohnung auftauchen – unabhängig vom Hygienestandard. Rote, juckende Pusteln sind ein Hinweis auf die ungebetenen Mitbewohner. Die Gruppe der Verdächtigen ist klein: In der Regel handelt es sich um Mücken, Tierflöhe oder Bettwanzen. Von Michaela Kaebe

Wer sich bei einem Verdacht noch unsicher ist, ob er es überhaupt mit Parasiten zu tun hat, sollte die Wohnung auf kleine schwarze Klumpen absuchen und die Fundstücke in ein Glas mit heißem Wasser geben. "Wenn es sich um Parasitenkot handelt, dann dauert es nur Sekunden, und es ziehen sich Blutfäden durch das Gefäß", erklärt Bärbel Holl, Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung aus Düsseldorf.

Die erste Aufgabe eines Schädlingsbekämpfers sei es dann, im Gespräch mit dem Kunden herauszufinden, um welche Parasiten es sich handeln könnte. "Es gibt Fallen für Flöhe und Fallen für Bettwanzen, aber die sind recht teuer. Daher sollte erst geklärt werden, womit die Erfolgsaussichten am besten sind", sagt Holl.

Flohfallen einfach selbst bauen. Lebt ein Tier im Haus, lasse sich der Verdacht auf Flöhe relativ leicht abklären - ein Besuch beim Tierarzt helfe weiter, zeigt die Expertin weiter auf. Eine weitere Möglichkeit, sich auch in tierlosen Haushalten Gewissheit zu verschaffen, sei eine selbst gebaute Flohfalle: "Man stellt ein Teelicht oder eine Kerze in eine Glasschüssel, in die man Wasser mit einem Spritzer Spülmittel gefüllt hat, und plaziert diese in der Nähe des Bettes oder in einem anderen möglicherweise befallenen Teil der Wohnung", erklärt sie. Allerdings gingen nur Flöhe, die auf Warmblütern leben, in diese Falle, nicht aber Vogelflöhe. Bei diesen sei vor allem Vorsicht bei der Reinigung von Nistkästen angesagt. Dort befänden sich, ebenso wie in alten Vogelnestern, oft bis zu 1000 Vogelflöhe.

Ein anderer Tipp, der bei der Identifizierung des Übeltäters helfe: Klebestreifen an der Bettkante bereit halten. "So kann ein Tier, sollte eines auftauchen, problemlos gefangen werden", zeigt Sabine Holl auf. Schädlingsbekämpfer würden dann umso leichter erkennen, mit welchem Parasiten sie es zu tun haben.

Bettwanzen an Blutspuren und "Straßen" identifizieren. Zur Erkennung eines Bettwanzenbefalles helfe es, das Bett mit einem weißen Laken zu beziehen, denn beim Herausziehen des Saugrüssels könnten winzige Blutstropfen darauf landen. Zudem könne das Bett auch nach Häutungsresten der Parasiten untersucht werden, sagt Sabine Holl.

Auch an der Anordnung der Stiche sei zu erkennen, ob der Blutsauger eine Bettwanze gewesen ist, erläutert Professor Eckhard Hoffmann aus München. "Wanzen treffen oft beim ersten Mal kein Blutgefäß und müssen mehrfach stechen. Es entsteht eine "Wanzenstraße", erläutert der Mediziner. Es stimmt zudem, dass Wanzen stinken. "Es gibt Wanzenhunde, die den süßlichen Gestank erkennen. Riecht der Mensch ihn selbst, dann ist der Befall schon massiv", berichtet der Experte. Wanzen kämen nach Auswärts-Übernachtungen oft als ungewolltes Mitbringsel in die Wohnung: "Das ist nicht auf Schmuddelherbergen beschränkt. Da Wanzen monatelang ohne Blut auskommen, weiß das Hotel oft nicht, dass es befallen ist." Ein weiterer Verbreitungsweg seien gebrauchte Artikel vom Flohmarkt, aber auch Bücher, CDs oder Ähnliches.

Hilfe vom Fachmann. Die Fähigkeiten, sich in kleinsten Ritzen zu verstecken und lange ohne Nahrung überleben zu können, mache die Bekämpfung von Bettwanzen schwierig. Der Fachmann sei gefragt. "Wildes Rumgesprühe hilft nichts. Jeder Gegenstand ist zu untersuchen. Sie sitzen in Büchern, unter Türleisten, in den Möbeln. Wer selber rangeht, erreicht meist nur, dass die Wohnung toxisch belastet ist. Die Wanzen bleiben", mahnt Bärbel Holl.

Biologisch bekämpfen. Schädlingsbekämpfer würden oft mit biologischen Mitteln arbeiten, die weit weniger schädlich seien als im Handel frei erhältliche Präparate. Eine komplett chemiefreie Variante der Wanzenbekämpfung kennt Eckhard Hoffmann: "Die betroffenen Räume werden mit Spezialöfen auf 55 Grad Celsius erhitzt. Das ist umweltfreundlich und hat den Vorteil, dass man die Wanzen in jeder Ritze erwischt."

Und was ist bei Flohbefall? Ist ein Haustier vorhanden, müsse dieses behandelt werden, sagt Holl. Gebe es kein Tier, vergehe der Spuk meist von selbst: "Die meisten Tierflöhe können sich nicht vermehren, wenn sie nur Menschenblut bekommen. Ausnahme ist der Katzenfloh." Da aber Larven noch kein Blut benötigten, könne es sich etwas hinziehen, bis alle Flöhe verschwunden sind. "Ich empfehle Staubsaugen, was das Zeug hält, und nicht ständig den Staubbeutel wechseln. Das ist genau falsch. Nur wenn Staubverwirbelungen im Beutel entstehen, ersticken die Tiere", erklärt die Expertin. In einen neuen Beutel solle man daher auch eine Handvoll Mehl als Staub-Ersatz einsaugen.

bettwanzen-ratgeber.de

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Wie Bettwanzen "drauSSen" bleibenDie erste Regel für Reisende: Den Koffer weder im Urlaubsquartier noch zu Hause aufs Bett oder in dessen Nähe stellen, rät Professor Eckhard Hoffmann. Der sollte direkt in Bad oder Waschküche abgestellt werden. Eine 60-Grad-Wäsche und einen Trocknergang überleben die ungebetenen Gäste nach Angaben des Experten nicht. Für Gegenstände, die diese Behandlung nicht vertragen, empfehle sich eisige Kälte. Eine Nacht in der Tiefkühltruhe sei ebenso tödlich für die Wanzen. Für die Reisewäsche hat Schädlingsbekämpferin Bärbel Holl noch einen Tipp: "Den Beutel mit Schmutzwäsche unbedingt vor der Abreise in der Badewanne des Hotels ausleeren, alles gründlich ausschütteln und neu verpacken. Der Schweißgeruch der getragenen Wäsche zieht die Bettwanzen an." dapd/gzn