Jeder im Viertel kennt Pepper. Wenn er mit seinem Frauchen Gassi geht, ist er ein kleiner Star: Er wird gestreichelt, bestaunt und fotografiert. Denn Pepper ist etwas Besonderes - ein Minischwein. Entspannt trippelt er neben Lucky, einem Jack Russell Terrier, der ebenso zur Familie gehört. „Sie haben sich von Anfang an gut verstanden“, sagt Besitzerin Janette Schön auf ihrer Tour durch ein Waldstück im saarländischen Kirkel-Limbach.

Pepper kam mit sechs Wochen zu den Schöns. „Er war gerade mal zwei Hände groߓ, erinnert sich die 40-Jährige. Jetzt, mit seinen acht Monaten, bringt er schon um die 20 Kilo auf die Waage. Und er wird noch weiter wachsen. „Man sollte sich bei einem Minischwein im Klaren darüber sein, dass es nicht das Handtaschenformat behält“, sagt Schön. „Und dass es nicht so niedlich wie am Anfang bleibt.“ Es könne 30 Kilo schwer werden, aber auch 150 Kilo erreichen.

Auf seinen Hufen flitzt das Minischwein durch Haus und Garten. Im Frühjahr soll es ein Gehege mit Stall und Hütte bekommen. Und einen Artgenossen: „Wir wollen auf jeden Fall noch ein zweites Minischein dazuholen, weil das besser für Pepper ist“, sagt die Einzelhandelskauffrau, die sich vor dem Kauf des Schweins ausgiebig informiert hat. Eine Sache aber habe sie vorher nicht gewusst: „Dieses permanente Grunzen - daran mussten wir uns erst gewöhnen.“

Minischweine als Haustiere scheinen im Trend zu liegen. Auch bei Promis: Gerade hat sich Schauspieler Til Schweiger ein süßes Exemplar namens Rosie präsentiert, auf einem Video auf seiner Facebookseite. Rosie wird da mit einer Banane gefüttert. Auch US-Schauspieler George Clooney hatte mal ein Hausschwein, das Max hieß.

Dass sich immer mehr Menschen für Minischweine interessieren, bestätigt die erste Vorsitzende des Vereins Schweinefreunde in Eversmeer in Ostfriesland, Sabine Duda. Sie sieht den Boom aber kritisch: Nicht alle informierten sich vorher ausgiebig über eine artgerechte Haltung der Tiere. Und Züchter suggerierten mit „Fantasienamen“ wie „Micro-Schweine“ oder „Teacup-Schweine“, dass die Tiere klein blieben. „Die Schweine werden aber normal groߓ, sagt Duda. Im Schnitt erreichten sie um die 75 Kilo. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Mastschwein kann laut Duda 300 bis 400 Kilogramm auf die Waage bringen.

„Minischweine haben dieselben Bedürfnisse wie große Schweine“, sagt Duda, deren Verein drei Schweine-Tierheime in Deutschland betreut. Die Tiere sollten mindestens zu zweit und mit viel Auslauf gehalten werden. Die Schweinefreunde übernehmen in den Heimen oft Minischweine, weil deren Halter „irgendwann völlig überfordert“ seien. „Das liegt vor allem daran, dass sie von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind“, sagt Duda.

Neben einem Heim in Eversmeer („Schweineparadies“) gibt es das „Pigs Paradise“ im hessischen Erlensee und seit 2014 noch das „Paradis le Couchon“ bei Mannheim. „Wir sind darum bemüht, die Tiere weiterzuvermitteln“, sagt Duda, deren Verein bundesweit knapp 170 Mitglieder zählt.

Auch Janette Schön rät allen künftigen Minischwein-Besitzern, sich vorher genau zu informieren, ob das Tier in die Familie passt. Bei ihr habe es geklappt: „Pepper ist eine große Freude in unserem Leben.“