Für die Angehörigen der Opfer muss es eine arge Geduldsprobe sein: Die italienischen Ermittlungen zur Havarie der "Costa Concordia" vor der Insel Giglio schleppen sich dahin. Erst im Juli ist im toskanischen Grosseto der nächste Beweissicherungstermin zu den Ursachen des Schiffbruchs angesetzt. Ein Vierteljahr nach dem nächtlichen Unglück steht noch nicht fest, wer das 290-Meter-Wrack von der Ferieninsel im Mittelmeer abtransportieren wird.

Derweil bleibt der schwer beschuldigte Kapitän Francesco Schettino unter Hausarrest in seiner Villa in Meta di Sorrento südlich von Neapel. Die Richter entschieden in höchster Instanz: Er kommt nicht frei.

Die Richter am römischen Kassationsgerichtshof verwarfen so am Dienstagabend nach einer langen Sitzung den Antrag des Verteidigers, Schettino nach fast drei Monaten unter Hausarrest auf freien Fuß zu setzen. "Wir haben uns sowieso keine allzu großen Hoffnungen gemacht", sagte ein Freund Schettinos, Carlo Sassi, italienischen Medien zu der Entscheidung.

Dabei hatte der süditalienische Kapitän, dessen bizarr anmutendes Verhalten während des Schiffbruchs um die Welt ging, zu Ostern drei Stunden Freiheit schnuppern können. Für einen österlichen Familienschmaus durfte er sein Haus über Mittag kurze Zeit verlassen.

Das Kassationsgericht entschied zwar auch gegen die Staatsanwälte, die Untersuchungshaft für Schettino durchsetzen wollten. Es bestehe Fluchtgefahr, so hatten diese argumentiert, und er könne als freier Mann Beweismaterial manipulieren. "In jedem Fall ist damit doch die Stichhaltigkeit der Vorwürfe (gegen Schettino) anerkannt worden", so bewertete Staatsanwalt Francesco Verusio das Urteil dennoch positiv: "Es wäre absurd gewesen, ihn freizulassen." Schettinos Anwalt Bruno Leporatti soll allerdings berechnet haben, dass sein Mandant in der zweiten Juli-Hälfte - also nach sechs Monaten - freikommen könnte, da dann die Frist für Hausarrest auslaufe. Offen ist, ob es dazu kommt.

Dem Kapitän werden mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen des Kreuzfahrtschiffes während der nächtlichen Evakuierung vorgeworfen. Schettino hatte ausgesagt, die gefährliche Route nahe an die Insel heran sei von ihm erwartet worden. Die Reederei Costa wies dies zurück. Ein Vierteljahr nach dem spektakulären Kentern werden noch zwei Menschen vermisst, fünf der 30 geborgenen Leichen konnten noch nicht identifiziert werden. So weist die Liste der Präfektur von Grosseto noch sieben Passagiere und Besatzungsmitglieder als "vermisst" auf, darunter ein deutsches Ehepaar.