(dpa/chw) Mit einem typisch englischen Garten haben die Beete in der offiziellen Residenz von Thronfolger Prinz Charles nichts zu tun. Ökologisch angebautes Gemüse in der einen Ecke des Anwesens Clarence House mitten in London, der Rasen von einigem Unkraut und kahlen Stellen durchsetzt. Charles, der am Mittwoch seinen 70. Geburtstag feiert, wird wohl als erster Ökobauer den Thron des Vereinigten Königreichs besteigen. Noch aber ist mit 92 Jahren Elizabeth II., seine Mutter, mit großer Ausdauer Königin.

Charles bleibt vorerst der Prinz im Wartestand – in einem Alter, in dem andere schon längst in Rente sind. Er ist ein in vielerlei Hinsicht ziemlich ungewöhnlicher Thronfolger: Charles setzt sich nicht nur für umweltfreundliche Landwirtschaft ein, sondern ist auch ein leidenschaftlicher Klimaschützer, ein Kämpfer für die Menschenrechte, ein Architektur-Freak, der mit seinem Sturkopf so manches moderne Bauprojekt verhinderte, und er malt gern Aquarelle.

Die Kunst spielt auch eine große Rolle bei den diversen Feierlichkeiten zu Charles‘ rundem Geburtstag. So kamen bereits im Oktober viele Schauspieler und Shakespeare-Fans im Buckingham-Palast zusammen, um das Engagement des Thronfolgers für die Künste zu preisen. „Prinz Charles setzt sich auch stark in sozialen Bereichen ein“, sagte ARD-Royal-Experte Rolf Seelmann-Eggebert im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Er ist kein Schönwetterprinz.“

In die Politik einmischen darf sich Charles als König aber nicht mehr. Das wolle er später als Monarch auch beherzigen, betonte er in einer BBC-Dokumentation zu seinem
70. Geburtstag. Ihm sei völlig klar, dass er dann nicht mehr so agieren könne wie jetzt: „So dumm bin ich nicht“, sagte Charles dem Sender. Es handele sich doch schließlich um zwei völlig verschiedene Rollen.

In der BBC-Dokumentation ist auch zu sehen, wie der Thronfolger mit Truthähnen spricht. Viele Briten finden Charles ein bisschen spleenig: Selbstfindung in der afrikanischen Kalahari-Wüste und in der Einöde abgelegener britischer Inseln mit einem Haufen Schafe um sich herum – was ist denn das für ein Thronfolger? Als er einmal mit einem Verband zu einer Museumseröffnung erschien, sagte er: „Wenn man sich schon seit so langer Zeit mit Bäumen unterhält, trifft man früher oder später zwangsläufig auf einen streitlustigen Erdbeerbaum oder eine mürrische Eiche.“ Auch die Queen und Prinz Philip fanden ihren Ältesten zeitweise sonderbar, wie aus Biografien hervorgeht.

Einen Tiefpunkt in der Popularitätskurve erreichte Charles, als pikante Details aus der Beziehung mit seiner Dauergeliebten Camilla an die Öffentlichkeit gelangten. Ein heimlich aufgenommenes Telefonat, in dem der Thronfolger den Wunsch äußerte, ein Tampon Camillas sein zu wollen, brachte für viele Briten das Fass zum Überlaufen: So einer kann doch nicht König werden! „Sie war seine Sucht, von der er nicht loskam; eine Besessenheit, von der er sich nicht befreien wollte“, sagte sein Ex-Kammerdiener Stephen Barry.

Besonders übel nahmen ihm die Briten, wie Charles mit Diana umging, der Königin der Herzen. Schon kurz nach der Verlobung sorgte die Antwort des Paares auf die Frage, ob es verliebt sei, für Stirnrunzeln: Sie platzte mit einem „Ja, natürlich!“ heraus, er sagte: „Was auch immer Verliebtsein heißen mag.“

Als Prinzessin Diana 1997 – kurz nach der Scheidung – bei einem Unfall mit ihrem Geliebten in Paris starb, mischten sich beim Volk Trauer und Wut. Camilla wurde als Rottweiler verspottet. Und heute? Sie findet inzwischen viel Anerkennung und scheint Charles gutzutun. „Er ist zur Ruhe gekommen“, sagte Seelmann-Eggebert. Allerdings ist der Thronfolger – im Gegensatz zu seinen beiden Söhnen William und Harry – irgendwie unnahbar. „Da hat er sich nicht geändert.“